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Weltreise nach Dachau : ein Tatsachenbericht nach den Erlebnissen des Weltreisenden und ehemaligen politischen Häftlings / Max Wittmann ; aufgezeichnet von Erich Kunter
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der weiten Welt viele Male Begegnungen hatte, zufällig und flüchtig Männer und Frauen kennenlernte, die mir angenehm und sympathisch waren, und die ich irgendwo in anderen Ländern, anderen Erdteilen unerwartet wieder traf? Wie dem auch sei: in meinem Leben kann ich feststellen, daß nichts von ungefähr, nichts zufällig ist, sondern daß wie von einer mächtigen, unsichtbaren Hand das Schicksal eines Menschen nach dem ihm innewohnenden Gesetz geleitet wird, daß sich alles gewissermaßen nach einer geheimnisvollen Regie hinter den Kulissen unseres äußeren Daseins abspielt. Sich willig und demütig dem Regisseur anzuvertrauen und von seiner verborgenen Hand leiten zu lassen, habe ich stets bewußt oder unbewußt als Grundsatz meines Lebens befolgt, ich habe gefühlt, daß ich dadurch im Einklang mit dem Ablauf des Schicksalhaften in meinem Leben stehe, und dies hat wohl auch bewirkt, daß ich selbst in dunklen Stunden nie ein Gefühl der Sicherheit und Geborgenheit, ja, der inneren Heiterkeit verlor.

Ich bin ein gut mittelgroßer, starker Mann mit ziemlichen Körperkräften. Man hat mir gesagt, daß ich wohlgestaltet sei, mein Körper und meine Gesund­heit sind robust und strapazierfähig. Das hat mir draußen viel geholfen. Es ist herrlich, sich jung und gesund zu wissen, sich tierhaft zu recken und zu strecken, das Leben vor sich zu haben und bereit zu sein, sich die Welt zu erobern. Seid umschlungen, Millionen, welch eine Lust, zu leben!

Mein Vater hatte eine große Familie zu versorgen. Ich besuchte die Volks­schule und schlecht und recht noch eine Realschule, und dann hieß es, etwas lernen, um zu verdienen. Ich kam zu einem Schlosser in die Lehre.

Ich war eifrig und willig und arbeitete gern, mußte aber bald erfahren, daß es in dieser Welt nicht genügt, fleißig zu sein und gern zu arbeiten. Man muß Glück haben und begünstigt werden, arbeiten zu dürfen. Man darf nicht nur tüchtig, sondern man muß auch gewandt, listreich und rücksichts­los sein, um sich durchzusetzen, keinesfalls aber bescheiden und zurückhaltend. Die Jahre der Inflation und Arbeitslosigkeit kommen. Ich sitze zu Hause untätig herum. Düstere Gedanken quälen mich. Das Brot in meinem Vaterhause schmeckt bitter.

Es wird mir zu eng daheim. Ich fliehe hinaus in die grüne Weite. Da ist meine Welt. Dort gelingt es mir, mich innerlich zu fangen, ruhig zu werden, zu meinem Ich zurückzufinden. Dort wird mir bisweilen noch eine gute Stunde

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