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Weltreise nach Dachau : ein Tatsachenbericht nach den Erlebnissen des Weltreisenden und ehemaligen politischen Häftlings / Max Wittmann ; aufgezeichnet von Erich Kunter
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Ich werfe mich im Grase herum, breite die Arme aus und drücke das Gesicht in die warme braune Erde, es ist wie eine Umarmung der Geliebten. Geliebte... Wo finde ich sie? Ich weiß plötzlich: ich gehöre zu den Menschen, die nur einmal wirklich lieben können, und denen nur eine Frau bestimmt ist. Ich muß sie suchen, werde sie finden. Fern. Fern. Geliebte Welt.

Geliebte Frau... *

Manchmal träume ich so. Sonst aber bin ich ein nüchterner, real denkender Mensch, der sich wohl nicht viel von der Norm des Durchschnittsmenschen unterscheidet. Ich huldigte von jeher dem Grundsatz: Leben und leben lassen, liebe die Harmonie in Welt und Leben und bin daher immer bestrebt, mit meinen Mitmenschen gut und höflich auszukommen. Ich liebe gutmütige, hilfs- bereite, gastfreundliche Menschen und glaube, selber zu dieser Art von Men- schen zu gehören. Aus Büchern, vom Hörensagen und aus eigenem Erleben weiß ich, daß es schlechte Menschen gibt, abgründig verdorbene, entartete, vertierte, daß es in der Verkommenheit des Menschen nach unten keine Grenze gibt, ebensowenig wie nach oben, wo auf steilem Gipfel lichterfüllte, gott - begnadete Gestalten leuchten, die uns wieder an das Menschengeschlecht glauben lassen, die uns mit Trost und Kraft, mit Vertrauen und neuem Lebens- mut erfüllen. Ich lernte in der Zeit, wo ich in der Hölle war, Kreaturen kennen, die nichts Menschliches mehr an sich hatten. Das Entsetzen schüttelt mich, wenn ich'denke, daß solche Bestien Menschenantlitz haben und sich mit uns anderen Mensch nennen lassen. Auf meinen weiten Reisen habe ich aber zumeist freundliche und hilfsbereite Männer und Frauen kennengelernt. Bisweilen sinne ich darüber nach, daß es wohl Menschen gibt, die einander so zugehörig sind, daß sie zwangsläufig zueinander finden. Überall, wohin ich kam, fand ich Freunde, die mir weiterhalfen. Es kamen oftmals Menschen und Ereignisse gleichsam auf mich zu, um mir beizustehen, sorgend und schützend mich ein Stück Weges zu begleiten. Wie kann man es sich sonst erklären, daß ich in

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