die Zähne. Das war nicht Verzweiflung, auch nicht Trotz- Dieser Bursche sah etwas.
Was sah er?
Plötzlich, wie von einer Lebensgefahr, wird Steeger sich bewußt: das Geheul aus den Häusern ist verstummt. Im Rücken der 44- Offiziere weht, rauscht, schnaubt etwas. Steegers Kopf, die Köpfe der beim Hängen Beschäftigten flogen herum. Ein Falkenschrei. Fast in Sekunden war der Knäuel der Kolchosleute auseinander gestoben.
In einer Staubwolke auf den Eichplatz zu stürmte in aufgelöstem Schwarm ein Trupp Reiter. Sie hoben sich in den Sätteln. Sie sahen wild aus. Die Hufe ihrer Pferde gaben einen dumpfen Aufschlag.
Die deutschen Soldaten hieben und schossen auf die nach den Seiten entweichenden Männer und Frauen ein. Steeger war die Anhöhe hinuntergelaufen. Die Maschinenpistole in der Hand, den Finger am Hahn.
,, Den Wagen, meinen Wagen", brüllte er.
Keine Antwort kam, aber von drüben die ersten Schüsse. Soldaten und Bauern im Handgemenge stürzten getroffen. Die unbewaffneten Bauern krochen an der Erde entlang, den verwundeten Soldaten den Garaus zu machen.
Die Deutschen waren gezwungen, ihre Salven auf die sich heranwälzende Staubwolke zu richten. Die Kolchosleute versuchten sie zu Boden zu reißen, während sie schossen, und wurden selbst von den Kugeln der Partisanen getroffen. Der blonde Junge, der gelacht hatte, war wie besessen die Leiter hinabgerannt. Auch er hatte sich niedergeworfen. Ein bärtiger Bauer löste ihm die Fesseln. Mitten im Kugelfeuer begannen beide die Gebundenen zu befreien. Als es dem Jungen nicht gelang, einer Schwangeren die Stricke zu entwirren, ergriff er den nächsten Gefesselten. Mit ungeheurer Kraftanstrengung zerrte er beide Menschenbündel am Boden entlang aus dem Getümmel. Ein schrecklicher Nahkampf entspann sich. Die Dorfbesatzung, die zu Fuß war und von ihren Maschinengewehren abgeschnitten, erlag zuletzt. Trotz ihrer
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