setzlichen Elementen in den Städten. Diesen Teil der Arbeit beherrschte er im Großen und kannte ihn bis ins geringste Detail.
Jetzt interessierte ihn das russische Dorf. Was ging dort vor? Die Bauern gaben ihre Kolchos- und Sowjetvorsitzenden nicht heraus. Sonderkommandos und Spitzel plagten sich. Wo man durch Foltern keine Namen erpressen konnte, wurde das wahllose Hängen von Abgezählten aus der Reihe angewandt. Führte es auch nicht immer zu den gewünschten Ergebnissen, Furcht und Schrecken wurden verbreitet, der Gehorsam erzwungen.
Steeger beschloß, sich so eine Dorferziehung einmal persönlich anzusehen. Vielleicht ließ sich das noch besser machen. Als sein Wagen inmitten einer kleinen Kolonne im Dorfe Ch. ankam, war das Schauspiel schon im Gange. Unter einer Gruppe alter Eichen auf dem Dorfplatz standen gebunden, dicht zusammengedrängt, wie Puppen ohne Arme und Beine die zwanzig Ausgezählten, die zu hängen waren. Sie standen zwischen einer dreifachen Kette von Soldaten. Ein geballter Knäuel von Menschen, nicht mehr als vierzig oder fünfzig, drängte mit entsetzten Gesichtern stumm gegen die Flintenkolben der ebenfalls schweigenden Soldaten der dritten Reihe an. Ein ohrenbetäubendes Geschrei und Geheul, das von woanders kam, erfüllte die Luft. Es drang aus den Häusern und legte sich wie ein Alp auf das Gehirn. Hätte Steeger die Worte verstanden, er hätte alle die alten, seltsamen und wilden Flüche vernommen, die in Jahrhunderten der Knechtschaft ein starkes Volk in gequälter Brust gefunden hat. Nach 23 Jahren selbsterworbener Freiheit erschütterten diese gräßlichen Flüche noch einmal die Luft über der russischen Erde. Die Flüche drangen durch die Wände der Häuser trotz aller Drohungen und Kolbenschläge der faschistischen Wachen. Diese Flüche drohten und verhießen mit Gewißheit Taten.
Steeger sah seinen Begleiter an. ,, Ekelhafter Lärm. Köter, die bellen, beißen nicht." Die beiden 44- Offiziere_gingen zu einem der größten Bäume, der auf hügligem Grunde seit
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