dasselbe. Im Aufstehen bemerkte er, daß der Mensch, dessen Gesicht er vorher nur im Profil gesehen hatte, über dem rechten Auge ein schwarzes Blindenpflaster trug. Der Gedanke an seinen ,, Ersten" durchzuckte Steegers übermüdetes und überreiztes Hirn. Unwillkürlich setzte er sich wieder. Er fixierte den Angeklagten. Er stand jetzt so, daß er diesen genau sehen konnte. Nicht die geringste Ähnlichkeit! Ärgerlich über sich selbst erhob er sich von neuem, aber nun hätte er bereits eine Störung verursacht, wäre er gegangen. Der Angeklagte fing schon an auszusagen.
,, Sie haben einer illegalen Organisation angehört?" fragte der Richter.
,, Ja", war die Antwort.
Dieser Vorsitzende, ein Mann mit rosigem Teint, der fast ununterbrochen seine damenhaft weichen, dicklichen Hände umeinander bewegte, als ob er sie wüsche, war auch nicht nach Steegers Geschmack.
,, Welches war das Ziel dieser Organisation?" fragte der liebenswürdige Richter.
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,, Das Endziel" der Angeklagte wiegte den runden, geschorenen Kopf; Edwin Steeger bildete sich ein, daß er dabei mit seinem einen Auge, das grau und hell war, ihm ins Gesicht sah ,, das Endziel", antwortete er ,,, der Sturz der Hitlerregierung." Ein empörtes Murmeln lief durch den Saal. Der Richter erhob beschwichtigend die Hände gegen das Publikum.
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,, Wozu und wie", fragte er sanft ,,, wollte Ihre Organisation eine Regierung stürzen, die vom ganzen Volk vergöttert wird?" Er lächelte breit den Angeklagten an und sah dann triumphierend über die Reihen der Zuschauer. Wenige lachten. Man kannte das jetzt schon.
,, Sprechen Sie sich nur aus, junger Mann. Sprechen Sie sich ruhig aus. Vielleicht können Sie uns dumme Nationalsozialisten überzeugen." Diesmal fehlte der Lacherfolg nicht. Es dauerte eine Weile, bis wieder Ruhe eintrat. ,, Also legen Sie los", sagte der lächelnde Richter.
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