eine wütende Lust befallen, zu schreien, sich auf das Pflaster zu werfen, irgend etwas Unmögliches zu tun. Er hatte sich nur mit äußerster Mühe zusammengerissen und war zu Fuß bis nach Halensee gelaufen, geradeaus, ohne Sinn und Ziel, bis er auf einmal im Grunewald gestanden hatte.
Hatte sie nicht recht? Hatte dieser Beruf nicht alles in ihm ertötet? Die Wahrheit war: er hätte Hans Warnke helfen können, und er hatte ihn verraten. Ein Gestapomensch und Freundschaft? Jugend? Reinheit? Menschlichkeit? Freude? Lachhaft! Alles vor die Hunde gegangen, noch ehe er ein Mann war.
Und wofür? Zähneknirschend arbeitete man. Der Dienst war wirklich alles andere als leicht. Und was hatte man davon? Ein Mädchen aus den eigenen Reihen setzte lieber ihre Sicherheit aufs Spiel, die ganze Geborgenheit ihres Daseins, ehe sie sich einem solchen Gestapotier anvertraute, wie er es war. So sah das Glück aus, das einem ergebenen Nationalsozialisten blühte, den man als halbes Kind in diesen höllischen Apparat für Menschenfang geworfen hatte. Ja, Plakate an den Bäumen, Feste, Orden, Reden, Konzerte. Das Volk wußte es besser. Nie würde die Gestapo populär werden. Die Feinde des Dritten Reiches saßen in allen Schichten. Er seufzte tief. Politik. Immer Politik. Kam denn für ihn nie etwas wie Leben? wie Glück?
In der Nacht, die auf diesen Vierstundenmarsch gefolgt war, hatte er keine Ruhe vor seinen Gedanken gefunden. Auf Tränen waren Rachepläne gefolgt. Beschämende, blöde. Er hatte darüber gebrütet, die Tochter Klemms, dieses spröde Mädchen, in dem soviel Leidenschaft war, diese großartige Bachspielerin, die sich für ihn zu schade dünkte, dennoch zu umstricken, zu verführen. Minutenlang faßte er sogar den irrsinnigen Plan einer Vergewaltigung. Wollust schien es, Karriere und sogar das Leben zu verwirken ans Leben würde es ihm gehen könnte er nur sein Rachegelüst kühlen. Endlich gegen vier Uhr morgens hatten die vielen Mittel, die er genommen hatte, gewirkt, und er war eingeschlafen.
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