,, Weiß ich nicht. Aber sie hatten die äußere Torwache, und wer muß doch schuld sein." Steeger trat vom Fenster zurück. ,, Wie kann man so leichtgläubig sein", sagte er ziemlich laut. Ein kleiner Trupp SA- Leute kam die schmale Treppe heraufgepoltert. Edwin Steeger rief den aus der Kantine Kommenden ein Hallo zu und ging, den Arm um die Schulter des Stubenältesten gelegt, mit ihnen weiter.
Aber zwei Tage später, beim Kleiderputzen, stand Steeger wieder zufällig neben Hans Warnke . Der putzte und bürstete mit noch nicht dagewesenem Eifer. Er hatte die Lippen fest zugekniffen. Er fing nicht an. Danke schön. Wieder so stehnbleiben, er nicht. Da konnte Edwin lange warten.
,, Wir könnten eigentlich Sonntag zusammen um Urlaub einkommen", meinte Edwin Steeger auf einmal mit einer Stimme, als ob gar nichts los gewesen wäre. ,, Was meinst du, Warnke?"
,, Kannst zu mir ja neuerdings Warnke sagen, wenn du das gut findest; aber Sonntag, warum nicht? Kann man machen, Steeger." Hans Warnke fuhr auf einem längst sauberen Ärmel herum., Ist doch ein goldener Bengel, der Hans', dachte Steeger. Himmelherrgott, er wollte endlich mal wieder mit einem Menschen darüber reden, was er dachte, und nicht immer bloß quatschen, was befohlen war zu sagen. - ,, Warnke, was?" ,, Gut, reichen wir also ein", er lachte Es zuckte übermütig um seinen hellroten, eigentümlich unregelmäßigen Mund. ,, Was, Hans?"
-
,, Junge, und dann frei von der Leber geredet, das wird ein Sonntag! Nach zwei Monaten der erste Feiertag!" schrie Hans Warnke und ließ die Bürste fallen. Sein semmelblonder Haarschopf tanzte.
,, Du hast deine Bürste fallen lassen", sagte Edwin mit plötzlich veränderter Stimme. Gleich darauf stieß er einen leisen Schmerzlaut aus. Er hatte sich die Jacke so heftig über die Schulter geworfen, daß einer der Monturknöpfe ihn an der Schläfe verletzt hatte. Mit einem hochmütigen Ge
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