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Vergangenes nicht Vergessenes : Erzählungen / Dora Wentscher
Entstehung
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101
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BRETTEN K

Te

Eines Abends standen sie zufällig nebeneinander am Flur- fenster. Der Hof mit seinen trostlosen, häßlichen Bretter- zäunen lag leer und lautlos da unten vor ihnen im Dunkel. Vom Bunker drang gedämpftes Sprechen herüber. Niemand war auf der trüben, nebligen Fläche zu sehen, deren Anblick nichts als widrige und scheußliche Vorstellungen auslöste. Soviel sich auch die SA-Leute, besonders die Älteren be- mühten, dem Dienst bei den Gefangenen, der hauptsächlich tagsüber da unten ausgeübt wurde, einen für die Mannschaft lustigen, selbst übermütigen Anstrich zu geben, so als ob das Ganze dieser methodischen Menschenschinderei ein unge- keurer und dabei nützlicher Spaß wäre das Gefühl der Jungen. war noch nicht ganz verdorben: von seelischer und körperlicher Qual verzerrte Mienen, die täglichen Zusammen- brüche des einen oder andern Lagergefangenen, der ihnen unwillkürlich Achtung abgezwungen hatte, Ohnmächte, Blut und Eiter, das alles erschien ihnen im besten Falle eine häß- liche Notwendigkeit. Am besten, man dachte nicht darüber nach.

Wenn nur endlich mal der Krieg mit Rußland ausbräche, murmelte Hans Warnke verdrossen.Dann kämen wir in

ein richtiges Leben

Oder wenigstens der mit Fran Steeger.Mensch, im Krieg, das wird'n andres Dasein.

Die Stimmen vom Bunker waren verstummt. Zwischen einer kleinen Geleitmannschaft wurde ein Zinksarg über den Hof getragen. Die Kolonne ging auffallend rasch, ohne Ge- räusch, ohne Worte. Der letzte Mann sah sich mehrmals nach

m: dabei stolperte er und fiel fast, so zerrten die Nebel außer

kreich, meinte Edwin

kinten u vorderen. Nach wenigen Minuten wären sie im

Sicht. Weißt du, wer das ist in dem Zinksarg Warnke leise.Ich hab noch nie so ein Ding schon? Steeger schwieg. Unser Erster, sagte Hans Hand die Bewegung des Erhängens.

? fragte Hans gesehen. Du

Warnke und machte mit der Der, dem du das

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