völlig Selbstverständliches. Wie Hauch und Atem ging dieser Haß aus und ein, Funktionen, an die ein gesunder Mensch nicht denkt. Herr Gott, hatte er sich hier in Prag dumm und albern aufgeführt. Wirklich maẞlos dumm.
Hatte es geklopft? Nein, wieder nichts.
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Vielleicht ist so ein überalterter Haß, der jahrhundertelang einem Volk im Blut sitzt, wie der Tschechenhaß träge, langsam vielleicht, aber, wenn der einmal losbricht, dann wehe Hitler ! Wehe der Nazibande! Bubi sah sich mit erhobener Faust vor dem Spiegel stehen. ,, Wehe euch, ihr Bluthunde!" schrie er laut. ,, Was mach ich denn?" murmelte er gleich darauf. Er schnitt verzweifelte Grimassen, kratzte sich, vor dem Bett stehend, rund um alle seine Wunden. Dann warf er sich auf den Rücken und schlief schon wieder.
Drei oder vier Stunden später erwachte er von einem harten Klopfen. Der Kellner bestellte, vom Flüchtlingskomitee sei angerufen worden, Dr. Peter Elger möchte sofort ins. Grand- Hotel am Wenzelsplatz kommen. Mama war mit sechs Rohrplatten- und fünf Kalblederkoffern eingetroffen.
Etwas angegriffen ausschauend und unausgeruht, aber reizend wie immer, sprang sie von einem runden Tisch auf, auf dem zwei Gedecke zum Diner aufgelegt waren. Sie lief dem wiedergefundenen Sohn fast stürmisch entgegen. Als sie seine lange Gestalt umfing und ihr duftendes Haupt gegen seine Brust drückte, schrie er auf. Sie erschrak. Sie fragte. Er riß mit einem Griff Jackett und Hemd auf und zeigte. Sie zog hastig beide Kleidungsstücke herunter, und nun schrie sie. ,, Die SA. Also doch! Diese Mörder! Du warst im SA- Keller!" Immer redend, die Augen voller Tränen, mit zitternden Fingern tastete die Mutter die noch übel aussehenden Wunden ab. Bubi Elger hielt ganz still, wie ein Kaninchen, das man streichelt.
,, Diese Schurken, diese Feiglinge! Pfui, pfui! Aber du? Wie kannst du nur so herumlaufen, Kind? Unverbunden! Blutvergiftung kannst du bekommen. So ein Irrsinn! Zieh dich an. Vorsichtig, Bubi, vorsichtig."
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