tern mit Disziplin? Versteh ich nicht", denkt sie gequält. Erst die dritte Treppe. Noch eine.
Na, aber nun wird mein Lohmännchen staunen. Nanu? Ist meine Tür offen?
Obwohl sie ohne Atem ist, nimmt Frau Rasenack hastig die letzten Stufen. Gleich hinter der Tür ist das gelbe Gesicht der Nachbarin, ängstlicher noch als sonst. Die Hände hält sie mit dem Schürzenzipfel auf den Bauch gedrückt. Wozu hält sie die Daumen nach außen? So steht doch ein vernünftiger Mensch nicht da. Da stimmt doch was nicht. Frau Rasenack steht schon am Bett. Warum liegt mein Mann unbedeckt? ,, Ich habe doch Milch... ich..." Sein Mund steht offen. Die Schnurrbartspitzen, an denen in gesunden Tagen nach dem Frühstück immer zwei lustige Tröpfchen hingen, starren trocken in die Luft. Das Kinn ist heruntergefallen... ,, Wann?" fragt die Rasenack.
,, Gerade eben", sagt die Nachbarin ,,, wie der Zeitungsjunge kam." Rasenack nimmt die Decke vom Boden auf, den Zipfel in der Hand, setzt sie sich schwer auf einen Stuhl. Ihr Gesicht ist ganz still, nur das große Kinn zittert. ,, Hat er noch was gesagt?" fragte sie endlich.
,, Ja., Marie wollte Milch... sagte er, hat er gesagt. Sonst nichts. Nee."
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