solche. Er hat nichts! Genug Angst schwitzt man, ehe man zu' nem bißchen brauchbarer Ware kommt. Einen Teil muẞ man den Kunden sowieso zu diesen lächerlichen Preisen geben, sonst fällt das auf.
Der Rundliche putzt sich ausführlich mit einem riesigen weißen Taschentuch die Nase. Draußen fährt der Wagen ab.
,, Ich habe ein Attest vom Arzt"( Da haben wir's: Attest!) ,, und einen Extraschein vom Magistrat", sagt Frau Rasenack ruhig, aber das Bärtchen auf ihrer schmalen Lippe zittert. ,, Ich bekomme einen halben Liter Milch." ,, Von uns?" blinzelt der zukünftige Herr hinterm Ladentisch ,,, Ihnen kenn ich ja gar nicht, meine Dame." Er stellt sich breit auf beide Beine und macht sich sogar die Mühe, die beiden ,, Damen" anzusehen. ,, Die Milch hier ist eingeteilt", sagt er dann langsam und feierlich. Das ist sein Ausspruch. An dem ist nicht zu rütteln. Ein Ladenbesitzer, der Ware hat, ist nicht schlechter als ein Feldmarschall.
,, Was?" schreit die alte Frau auf ,,, eingeteilt ist die?" ,, Jawoll", sagt der Runde mit Genuß ,,, eingeteilt. Wenn Sie nämlich nischt dagegen haben. Immer mit der Ruhe. Eingeteilt für meine alten Kunden. Jawoll, wenn Sie gestatten, werte Dame. Ich habe das gar nicht nötig. Aber ich erkläre Sie das."
Die Rasenack hat beide breiten Fäuste auf den Ladentisch niedergelegt.
,, Und im Magistrat bestellen Sie man", fährt der Ladenbesitzer gemütlich fort ,,, sie sollen mir endlich mal in Ruhe lassen mit solche Besuche wie Sie und die junge Frau da", fügt er noch gemütlicher hinzu. Er kommt hinter seinem Ladentisch hervor und steht breit vor seinen Milchkannen, den lieben schönen Kannen, denen er die Villa verdankt.
Die Frau des Schmieds hat in vierzig Jahren genug schwere Bügeleisen geschoben und gehoben, sie kann auch einen dicken Milchmann von der Stelle befördern. Schon hat sie den Verblüfften bei beiden Ellenbogen gepackt, auf seinen Hacken umgedreht und beiseitegeschoben. Jetzt steht sie
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