Die Rasenack macht den Mund auf und wieder zu. Sie hat den dünnen Arm der andern, den sie noch gepackt hielt, langsam losgelassen. In Berlin und in Kottbus , wo sie zu Hause ist, und in Breslau und in Köln , in Paris und in Wien und in Petersburg sie sieht die Landkarte vor sich, die in Kottbus , als sie zur Schule ging, ach, vor hundert wer stirbt da alles in Städten Jahren, an der Wand hing und Dörfern ohne Hilfe? Und es ist doch bloß ,, Hinterland", wo es ,, sicher" ist...
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Der fröhliche Soldat auf dem Kalender da drinnen. All der Schwindel, den sie in den Zeitungen schreiben: ,, Große Zeit!" Bloß nicht umschauen, bloß nichts denken. Sie hat ja Glück gehabt. Nach Hause und Kaffee kochen. Ihre Hand umkrampft den kostbaren Zettel. Den nur festhalten! Und morgen früh... Wer hat recht gehabt? Die Lohmann wird
staunen.
Um halb sechs Uhr ist es noch stockdunkel. Licht wird sie lieber nicht machen. Das Gas knallt immer so, wenn sie ⚫es ansteckt. Sie kriecht leise aus dem großen, schönen Holzbett. So seine dreißig Jahr steht das nun hier an derselben Stelle neben dem ihres Mannes; gegenüber der breite Kleiderschrank, echt Eiche alles. Was hat man nun davon? Nicht mal Kinder sind da, wo nun der Fritz auf See schon längst ertrunken ist; war eben sein Fimmel... von diesen verrückten Kinderbüchern. Aber er hat wenigstens nicht in den Krieg gemußt für Wilhelm und die Börsenschieber; hat alles sein Gutes. Hätte sie damals nicht gedacht, als der Brief kam mit der Nachricht.
Nu kann sie den verdammten Strumpf nicht finden, muß sie doch Licht machen. Ach, der Karl, der schläft wieder nicht. Nie schläft der Mann jetzt, gräßlich ist das. Und sagen tut er fast nie was. So steif liegt er; meistens guckt er bloẞ immer so schief über die Steppdecke weg, grad als ob er gar nichts sieht. Gar nicht wie' n Schmied sieht der Mann mehr
aus.
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