,, Das Furchtbarste", flüstert der Alte. Die Haltung ist wieder hin. ,, Von Meuterei? Sie reden von Meuterei? Bürgerkrieg?"
Der Soldat steht groß mitten im Zimmer. Seine Brust hebt und senkt sich schwer. ,, Kommt darauf an, wozu es führt", sagt er leise und heiser. ,, Muß nicht das Furchtbarste sein, für uns nicht, für uns Arbeiter nicht. Im Gegenteil"; und plötzlich erschlaffend: ,, Kann sein, das Denken is noch zu wenig Mode bei uns. Zu viel Dumme und-" kaum hörbar traurig endet er: ,, Feige auch." Sein abwesender Blick findet sich wieder auf den nackten Leibern der Apfelsinenwerferinnen. Er faßt sich an den Schädel: ,, Mit wem red ich", knurrt er wütend. ,, Verrückt bin ich." Aus dem roten Gesicht des gewesenen Regimentsarztes ist alle Farbe gewichen. Er ist aufgestanden, setzt sich gleich wieder, steht wieder auf. Er sieht furchtbar erregt aus. Einen Augenblick hebt er die Hand vors Gesicht; dann geht er auf seinen Gast zu: ,, Ich kann nicht Ihr Freund sein, Herr Riegel, wie ich hoffte aber Ihr Feind auch nicht." Er keucht leicht. Seine Stimme schlägt öfters um. ,, Reden Sie, wie es Ihnen ums Herz ist, Herr Riegel; nur nicht gar zu laut, bitte, es ist besser, nicht wahr?"
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Der Angeredete schaut verständnislos: was tut der feierlich? Er vernimmt in dem Wirbel, der ihn erfaßt hat, nichts als die Aufforderung zu reden. Und er redet. Es schüttet sich aus ihm heraus, wie Steine aus einer plötzlich umgeschütteten Lore, stolpernd, polternd, gefährlich stürzend. ,, Damit Sie ein gutes Leben weiterführen können, oder wieder, wenn Sie wollen, so wie vorher. Ihre Teppiche, die werden Sie schon auslösen. Ich bin drei Jahre, herrschaftlicher Kutscher' gewesen, Herr Doktor. Ich kenne das. Bei euch ist immer alles halb so schlimm. Bei unsereins, klebt so' n Vogel mal erst auf den Möbeln, da fliegt er auch mit weg, bei uns ist es immer ernst. Meine Frau- Loren mußte sie schieben mit Ziegeln, anderthalb Jahr, bis zum Blutsturz. Und als das aus war, auf die Bauernhöfe mit' ner
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