Als er sich umwandte, sah er, daß Knoppes Bett leer war. Auf der halb hinuntergefallenen Wolldecke lagen zwei kleine schmutzige Zettel. Bogis Augen suchten das Zifferblatt seiner Taschenuhr, die auf dem Tisch lag. Sieben! Gestern’ abend hatten sie nicht lange gesprochen. Sicher war er bei Sonnen- aufgang fort; drei Stunden schon. Er nahm die Zettel und las sie. Ohne sich zu waschen, kleidete er sich eilig an und lief durch den Gang und ohne anzuklopfen zu Herwig hinein. Der Lockige stand im Badeanzug und turnte mit Hanteln. Er bemerkte erstaunt Bogis verstörte Miene. Bogi reichte ihm wortlos einen Zettel und setzte sich mit niedergeschla- genen Augen auf die Bettkante. Er zog den Lesenden neben sich nieder und sah mit ihm auf das Blatt. Zum zweitenmal las er:
Rechnung für Herrn Wohlmann, hier.
Dir. W. schuldet Herrn Knoppe mal Prinz Danilo= 2oM. Gegenrechnung Für mich ausgelegt:
eine alte Hose 3,50 M.
ein altes Hemd 2,- M. 20,— M. ein altes Schakett 5,40 M.— 11,90 M. für den Schandarm BeM 5 So
Summa 11,90 M. Auszuzahlen an Herrn Bogumil Sawatzki, hier.
24. Juli 1909. Knoppe.
Der Lockige riß die Augenbrauen hoch und lachte.
„Die Rechnung ist gut.“
„Jetzt weiter“, sagte Bogi und gab den kleineren Zettel. Der Lockige las laut und allmählich immer langsamer:
„Lieber Bogi, ich habe es mir gründlich überlegt. Ich glaube, Du wirst ein großer Schauspieler werden. Ich will das mit dem Schauspieler werden lieber noch lassen.“ Ent- schuldige, aber mir kommt das alles so nicht ernst vor. Auf der Landstraße sieht man mehr. Dein Freund K.“
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