ten, so daß er zornig Mantel und Hut nahm, den Hörsaal verließ und sich auf den Heimweg machte. ,, Für Studenten habe ich viel übrig, nichts aber für Studentenkoller. In den jetzigen Zeiten hat das alles keine Existenzberechtigung. Diese jungen Leute haben die Zeit noch nicht begriffen. Mit vaterländischen Gesängen ist Deutschland jetzt mehr geschadet als gedient."
Etwa dreihundert Meter hatte er zurückgelegt, als er von drei keuchenden Studenten eingeholt wurde, die ihn um Verzeihung und Umkehr baten. Nach kurzer Auseinandersetzung ging der Professor mit der ,, Dreierabordnung" zum Hörsaal zurück. Ach, welches Fußstampfen der Bereuenden! Er ließ sie gewähren. Nachdem sich der Sturm gelegt hatte, sagte er:
,, Meine Herren, was auch immer der Grund Ihres Gesanges gewesen sein mag, mit schöpferischem Geist hat er keine Gemeinschaft."
Großes Gelächter.
,, Lachen Sie nur; ich sehe zwar keinen Anlaß dazu. Patriotische Lieder sind in heutigen Zeiten nicht immer das Ersehnte. Nein, das Gegenteil trifft oft zu, besonders- ja, ich muß es sagen wenn sie jetzt von deutschen Studenten gesungen werden. Ich meine es nur ehrlich mit Ihnen und ganz Deutschland , dem mein ganzes Herz gehört."
Großer Beifall.
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,, Die Welt, die ganze Welt beobachtet uns, glauben Sie mir das, meine Herren. Warum? Weil sie sehr miẞtrauisch gegen uns ist. Ein Tor, den das erstaunt...! Die Hitlerzeit und ihre Folgen waren keinesfalls dazu angetan, das Vertrauen der Welt zu Deutschland zu vertiefen. Ich weiß da doch ein bißchen besser Bescheid, als viele unter Ihnen denken. Gewarnt seien die, die sich ein X für ein U vormachen. Nicht anders ergeht es ihnen als mit den Vorspiegelungen einer Fata Morgana in der Wüste. Sehen Sie, meine Herren, ich würde mich kaum wundern, wenn morgen in uns unfreundlich gesinnten ausländischen Zeitungen ihre Zahl ist leider viel größer als die der uns freundlich gesinnten deutschen Studenten- Protestversammlungen gegen dies und das, gegen bestehende und nicht bestehende Härten die Rede ist. Ja, ebensowenig würde ich sprachlos sein, wenn einige Blätter von ihren Berichterstattern die Mitteilung erhielten, daß es sich um eine ganz geheime Naziversammlung in der Aula der Marburger Universität gehandelt habe, bei der eine Reihe von Professoren in SS - und SA- Uniformen der Versammlung den, alten Rahmen' gegeben und zweitausend Studenten laut, Heil Hitler' ausgerufen haben sollen. Andere, ja die könnten es noch viel sensationeller melden und berichten, fünftausend Studenten riefen, Heil
von großen
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