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Ein Jude spricht für Deutschland / Schelomo Bar Eljokum
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,, Nicht zu grob!"

,, Auf Wiedersehen, Frau Weber!"

Gerade um 9 Uhr 15, als die Vorlesung hätte beginnen sollen, erreichte Professor Weber die Universität. Der Rechtsgelehrte eilte die Treppen hinauf und war alsbald im Hörsaal. Die Studenten begrüßten den ange­sehenen Mann mit lautem Fußstampfen. Am Pult angelangt, wollte der Verspätete in Hut und Mantel beginnen, sah aber, daß etwas nicht stim­men mochte: ein allgemeines Gelächter sagte ihm das.

,, Ach so, Verzeihung."

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Er legte ab und begann:

,, Meine Herren, das vorige Mal sprach ich zu Ihnen über das Besitz­recht der Römer in der Absicht, heute fortzusetzen. Inzwischen hat sich aber etwas ereignet, das mich nicht in Stimmung hält, die beabsichtigte Fortsetzung zu bringen. An ihrer Stelle lese ich Ihnen einen ganz kurzen Abschnitt aus der Zeitung vor, um anschließend über das Thema ,, Kollektivschuld" zu sprechen, die schon die ältesten Völker des Orients kannten. Natürlich auch unsere Römer. Na zum Teufel noch, wo steht denn dieser ,, erfreuliche" Artikel? Ach hier, auf Seite vier oben. Darf ich um Ihre Aufmerksamkeit bitten:, So bin ich der Ansicht, daß es schon genügte, Mitglied des deutschen Volkes zu sein, einer Ge­meinschaft, die kollektiv an allen Vorkommnissen der Hitlerbarbarei mit verantwortlich und demnach mitschuldig ist."

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Das sind natürlich nicht meine Worte, sondern sie wurden gestern in einer Gerichtssitzung gegen SS - Männer, die wegen Kriegs- und an­derer Verbrechen angeklagt sind, von einem polnischen Juristen ange­wandt, der dort des Amtes eines öffentlichen Anklägers waltete."

Die Studenten brachen in Pfui- und andere Rufe aus, so daß ein ziem­licher Lärm entstand.

Abwehrend rief der Professor: ,, Meine Herren, meine Herren, ich bitte um Ruhe!" Er mußte schreien, um sich Gehör zu verschaffen.

,, Meine Herren, die Welt ist nicht mehr so, wie sie gewesen ist, daher hat auch Ihr Studentenimpuls weder Sinn noch Geltung. Auch ich war einstmals Student und Hitzkopf. In der Jugend neigt man oft zu Hand­lungen, die man im reiferen Alter miẞbilligt. Deutschland ist in großer Not; wodurch und weshalb, sind nicht die Fragen, um die es jetzt geht. Seien Sie, meine Herren, dessen eingedenk mit mir."

Da brachen die Studenten abermals in Rufe aus; einer von ihnen stimmte das Deutschlandlied an- ,, Über alles in der Welt." Unten auf der Straße ging eine Streife der USA Militärpolizei. Wieder bemühte sich der Gelehrte, Ruhe zu stiften; diesmal aber überhörten ihn die Studen­

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