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Gestapo-Häftling 52478 aus dem KZ Oranienburg-Sachsenhausen / Bert Utsch ; Vorwort von Bert Irving ; Zeichnung des Buchtitels und der Bildeinlage von Max Pöppel
Entstehung
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men und bedürfen einer Spezialuntersuchung beim Neurolo­gen und bei einem Herzspezialisten."

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Der Nerven- und der Herzarzt sind sich darüber einig, daß ich zunächst ein Vierteljahr zurückzustellen sei.

Die akute Erkrankung geht langsam vorüber, die Krise ist

überstanden.

Ich versuche, um das Vierteljahr auszufüllen und um mir den Lebensunterhalt zu verdienen, eine Anstellung bei den Lemberger Elektrizitätswerken zu finden. Die Verhandlun­gen laufen dahin, daß ich einen Posten als Einkäufer erhalten soll. Mit Offenheit erkläre ich dem Leiter, daß ich als politi­scher Häftling im KZ war. ,, Schreiben Sie dennoch einen Lebenslauf und kommen Sie Mittwoch wieder."

Statt diesen Besuch machen zu können, erhielt ich einen Brief der Gestapo , mich wiederum dort zu melden. Also doch nicht frei, immer wieder die Verfolgung! Ich kam dem Auf­trage nach. Meldete mich. Der Leiter des Elektrizitätsamtes hätte einen Bericht über mein Gesuch dort abgegeben. Ich sollte vorläufig abwarten, bis ich wieder Bescheid bekäme.

,, Ja, kann ich aber dann einer anderen Arbeit nachgehen?" ,, Das müssen Sie selbst wissen", war die nichtssagende Antwort.

Wieder die Ungewißheit. Doch nichts hielt uns ab, unseren Weg zu gehen. Meine Frau behielt trotz schwerer Erkrankung eine Bürostellung, ich selbst suchte einen Posten bei einer Baufirma. Dort wurde weniger gefragt.

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Man ging an die Arbeit. Das Vierteljahr verlief schnell. Ich wurde wieder aufgefordert, mich zur ärztlichen Unter­suchung zu melden. Ergebnis: Schweres nervöses Herzleiden und Körperschwäche untauglich! Mit dem Ergebnis mußte ich zum Wehrüberwachungsamt, um meinen Wehrpaß in Emp­fang zu nehmen. Statt dessen bekam ich einen Gestellungs­befehl für den gleichen Tag in die Hand gedrückt. ,, Dann werden Sie eben in ein Militärlazarett gelegt!"

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