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Gestapo-Häftling 52478 aus dem KZ Oranienburg-Sachsenhausen / Bert Utsch ; Vorwort von Bert Irving ; Zeichnung des Buchtitels und der Bildeinlage von Max Pöppel
Entstehung
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,, Sie haben sofort hier zu erscheinen und können froh sein, daß wir Sie nicht geholt haben." Da schaltete sich meine Frau ein. ,, Das widerspricht aber dem Telefongespräch, das ich mit dem Leiter der Überwachungsstelle gestern von Krakau aus geführt habe." ,, So, dann muß ich noch einmal fragen." Er kam: ,, Ja, also bis zum ersten Weihnachtsfeiertag können Sie in Lemberg bleiben. Aber dann sind Sie Soldat und unter­stehen den Gesetzen der Wehrmacht . Sie bekommen einen neuen Gestellungsbefehl ins Haus."

Diese Post ließ nicht auf sich warten. Am ersten Weih­nachtsfeiertage sollte ich mit eingereiht werden in die Reihen der Kämpfer für den Sieg Deutschlands . Schnell gingen die Tage dahin.

Es ist mit jedem aus dem KZ- Lager Entlassenen ein Experi­ment, wie er die ersten acht Tage, den ersten Monat und das erste Vierteljahr nach seiner Freilassung übersteht. Je nach­dem, wie seine physische Konstitution beschaffen ist, ruft sie unweigerlich Rückschläge hervor und mag sich, wie bei mir, die Fürsorge der geliebten Frau noch so gut auswirken. Diese Gewalttätigkeit gegen die Gesundheit überwindet auch die stärkste Natur nur sehr schwer. Bis zum 24. hielt ich mich leidlich.

Dann feierten wir eine stille Bescherung im Lichterglanz eines vom Boden bis zur Decke reichenden Christbaumes. Mit weißen Lichtern strahlte er in unserem Heim den Frieden aus, den zwei glückliche Menschen in hehrer Feierlichkeit er­leben, wenn sie sich nach Nöten und Entbehrungen wieder­gefunden haben.

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Das Köfferchen war schon gepackt, denn in aller Frühe sollte der Zug zum Gestellungsort abdampfen. Alles war vor­bereitet. ,, Ich glaube, ich habe Fieber." ,, Ich weiß, daß Du Fieber hast, aber wir wollen doch mal messen": 39,6.

Der Amtsarzt wurde gerufen und verständigte die Wehr­überwachung. Resultat: Persönliches Erscheinen beim Ober­feldarzt! Ergebnis: ,, Einen solchen Mann kann die Wehr­macht nicht brauchen! Sie sind vollständig heruntergekom­

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