Druckschrift 
Gestapo-Häftling 52478 aus dem KZ Oranienburg-Sachsenhausen / Bert Utsch ; Vorwort von Bert Irving ; Zeichnung des Buchtitels und der Bildeinlage von Max Pöppel
Entstehung
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Ich habe aber auch unsere Kirche beansprucht und denk Dir, es wurden heilige Messen gelesen. In Polen werden diese Messen um göttliche Fürsprache unter öffentlicher Verlesung des Anliegens gehalten und da fiel in der polnischen Ge­meinde Dein Name und die Bitte um die Befreiung aus dem KZ- Lager.

In der kleinen Marienkirche in der Oststraße, gegenüber unserer Druckerei, wurden Deine Messen gelesen. Du kannst Dir denken, wie feierlich für mich dieser Akt jedes Mal war, aber auch wie gefährlich, nicht nur für mich alleine, sondern auch für die Benediktinerpatres, ja für die ganze Gemeinde. Du weißt, wie streng das verboten war. Selbst der Kirchgang war streng untersagt; wir durften nur in unsere deutschen Kirchen. Aber mein Bitten hat nun doch geholfen. Es gibt einen lebendigen Gott, der uns beisteht in unseren Nöten.

Viele Menschen, von denen wir in unserer Ahnungslosig­keit nicht annahmen, daß sie auch zur Gestapo gehörten, um­lauerten mich in diesen Tagen. Du machst Dir gar keinen Begriff, wie groß das Netz der Menschenfänger war, und ich mußte schon Haare auf den Zähnen haben, um ihnen nicht zu verfallen.

Da kam täglich eine Dame zu mir herauf, die sich meiner annahm, mir ihre Hilfe anbot und nichts weiter war, als eine Gestapoagentin. Besonders unsere Besitzverhältnisse inter­essierten sie. Du kennst ja meinen Ordnungssinn und unser Prinzip, über alles, was wir haben, Belege aufzuheben, und so konnte sie bei mir nicht gut landen. Ich ging auf alle ihre schönen Fragen ein und schneller, als sie dachte, bekam sie ihre Antwort."

Einschüchterungsversuche.

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,, Dann gab es solche", fuhr meine Frau fort, die mich um jeden Preis einschüchtern wollten. Alle diese Menschen gehörten einem bestimmten Kreise an. Ich erkannte schon

10. Bg. Utsch, KZ

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