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Gestapo-Häftling 52478 aus dem KZ Oranienburg-Sachsenhausen / Bert Utsch ; Vorwort von Bert Irving ; Zeichnung des Buchtitels und der Bildeinlage von Max Pöppel
Entstehung
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vier Monaten erhielt ich nach intensiver Zusammenarbeit mit den Postbehörden tatsächlich das Geld zurück!

Ich muß auch sagen, diese Behörden unterstützten mich, wo sie nur konnten. Was habe ich an Telegrammen Deinet­wegen telefonisch durchgegeben an alle Freunde und wohl­gesinnten Menschen, gerade anfangs nach Deiner Verhaftung. Wenn in Lemberg Telefonsperren waren, so ließ man meinen Apparat weiterlaufen. In dieser Richtung konnte ich mich nicht beklagen. Die Leute wußten ja alle, daß hier mit dem Teufel grobes Unrecht und boshafte Schikane am Werke waren, denn was konnten sie uns nachweisen?"

Unsere Druckerei sinnlos zerstört.

,, Als ich dann von dem Berliner Besuch zurückkam", setzte meine Frau ihre Erzählung fort, ,, war das wirkliche Tat ge­worden, was mir Liselotte telegraphisch schon nach Berlin mitgeteilt hatte und was ich nicht glauben wollte: Unsere Druckerei war sinnlos zerstört worden. Die Maschinen, Pres­sen und Offseteinrichtungen, die wertvollen Steine, alles lag zerschmettert und zerstampft im Hofe.

Unsere Belegschaft, die so treu an uns hing, wurde in alle Winde zerstreut. Die Vorbesitzer, für die wir die Reprivati­sierung anstrebten, wurden besitz- und arbeitslos und alle weinten uns nach. Sie veranstalteten mit den Arbeitern einen Abschiedsabend und widmeten uns ein Familienalbum, für das sie zusammenlegten.

Was ich noch alles unternommen habe, um Dich, ohne mir etwas zu vergeben, freizubekommen, kann ich Dir garnicht einmal erzählen. Es wird noch lange Zeit brauchen, bis mir alles einfällt. An die höchsten SS - Stellen habe ich mich heran­gepirscht. Aber Du kannst Dir denken, wie fruchtlos dieses Bemühen war, denn mit jedem Satz verriet ich meine Ein­stellung.

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