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Gestapo-Häftling 52478 aus dem KZ Oranienburg-Sachsenhausen / Bert Utsch ; Vorwort von Bert Irving ; Zeichnung des Buchtitels und der Bildeinlage von Max Pöppel
Entstehung
Seite
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Warum war ich im KZ?

Nun sind wir allein in Krakau . Wir sitzen wieder in den Tuchhallen. Ich frage meine Frau: Bist Du Dir jemals dar­über klar geworden, warum ich ins KZ- Lager kam? Was hast Du mir von Deiner Seite darüber zu sagen? Im allgemeinen ist es doch so, daß man über jeden etwas Konkretes weiß, daß man mindestens eine Menge Gerüchte erzählen kann. Was haben nun die Leute in Lemberg über mich gesagt? Was hast Du selbst entnommen aus den Versuchen, die Du an­gestellt hast, mich freizubekommen? Ist hier wirklich die Ge­ heime Staatspolizei so mysteriös?"

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So habe ich meine Frau, als wir uns dann in stille Kaffee­hauswinkel Krakaus zurückzogen, um der Kälte unseres Zim­mers auszuweichen, gefragt. Ja, Bert, viel kann ich Dir eigentlich auch nicht sagen." ,, Also ist es ein Konglomerat von ungünstigen Umständen, die es dazu brachten?" ,, Da könntest Du recht haben, Bert. Erstens einmal waren sie Dir wegen Deines Betriebes auf der Spur. Da geht es Dir nicht anders, wie all denen in Deutschland , die ihre Redaktionen schließen mußten, weil Herr Amman und sein Amt es so wollten." ,, Dann verstehe ich aber nicht, wieso gerade auf diese Art?" ,, Da sind mir unzählige Beispiele bekannt, wo man ähnlich verfuhr. Ich weiß, daß man unbequeme Einrich­tungen und Personen möglichst gewaltsam entfernte, damit nicht hintennach irgendwelche Ansprüche gestellt werden oder Zeugen für ein unrechtmäßiges Vorgehen des Staates und der Partei vorhanden sind. Man schafft einfach alle beiseite. Das ist ja das Bequemste. Und glaub mir, das ist so!

Die anderen Sachen, die Du mir erzählst, hast Du Dir nur ausgedacht, um Dich selbst zu schwächen und Dir selber als Staatsverbrecher vorzukommen. Sie haben Deine Psyche ein­gehend studiert, als sie Dich im April 1941 das erste Mal verhörten. Glaubst Du, wenn Dir nur das geringste konkrete Vergehen nachzuweisen gewesen wäre, hätte man Dich wei­tere Monate auf fréien Fuß gesetzt? Hätte es nur irgendeinen

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