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Gestapo-Häftling 52478 aus dem KZ Oranienburg-Sachsenhausen / Bert Utsch ; Vorwort von Bert Irving ; Zeichnung des Buchtitels und der Bildeinlage von Max Pöppel
Entstehung
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len noch etwas Besonderes drehen. Aber sind wir nicht, zwei Frauen und ein Mann, zusammen ebenso klug, wie die ganze Bagage?"

Wir kamen an der Jagellonischen Bibliothek vorbei, war­fen einen Blick in die Säulenhalle und betrachteten den Ko­pernikus . ,, Wollen wir wieder zurück ins Hotel?" Allgemei­ner Protest! ,, 30 Grad Kälte, kein Feuer in der Bude! Da heizt auch Ihr mit Eurer jungen Liebe nicht, Ihr altes Ehe­paar!" Doch! Wir müssen mal schauen! Vielleicht hat Lise­lotte aus Lemberg angerufen oder telegraphiert. Ich habe ein beunruhigendes Gefühl." Gedacht, getan!

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Doch nichts lag vor. ,, Ich weiß, es geschieht etwas. Irgend­etwas wird unternommen, was Dir, Bert, nochmal das Genick brechen soll", ängstigt sich meine Frau. ,, Ich mache den Vor­schlag, unser Schwabenmädel fährt so bald wie möglich auch zurück nach Lemberg und bleibt in unserer Wohnung." ,, Wie­so?" ,, Erstens ist unsere Wohnung gefährdet und zweitens soll jemand da sein, falls wichtige Post einläuft." ,, Was Du nur immer hast!" ,, Glaubt meinem Instinkt. Aber jetzt gehen wir erst mal essen. Ich empfehle heute zur Feier des Tages ein gutes Lokal. Marken haben wir. Und dann heißt es Ver­bindungen aufnehmen."

Am nächsten Tage rief ich an. Pünktlich um 9 Uhr sprach ich mit Transfeld: Ja, rufen Sie doch morgen, nein, über­morgen erst wieder an, um die gleiche Zeit bitte. Dann werde ich vielleicht da sein." Aus der Portierloge des Hotels kehrte ich in das frostigkalte Hotelzimmer zurück und wir hielten Kriegsrat über die neue Lage. Er will Zeit gewinnen, er braucht Zeit für irgendeine neue Attraktion", sagte Elisabeth. Ich selbst bin noch so in all dem Neuen befangen und will es an mich herankommen lassen. Aber dann schließe ich mich den schützenden und klugen Betrachtungen und Entschlüssen meiner Frau an. Unsere Schwäbin soll endgültig fahren. Lise­lotte hatte inzwischen Lemberg verlassen, um in Urlaub zu gehen. So stand die Wohnung unbewacht.

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