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Gestapo-Häftling 52478 aus dem KZ Oranienburg-Sachsenhausen / Bert Utsch ; Vorwort von Bert Irving ; Zeichnung des Buchtitels und der Bildeinlage von Max Pöppel
Entstehung
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ten im Bunde, zu ihrem Schutze auch von Lemberg mitgekom­men, Logis genommen hatte. Das Grand Hotel war nun nicht mehr nötig! Wir konnten, der Lage gemäß, das kleine Hotel viel besser gebrauchen für all das, was wir uns zu sagen und zu erzählen hatten, für die ersten Stunden des Sichwieder­besitzens.

Die Dritte, eine junge Stuttgarterin, die in Lemberg in einem Büro beschäftigt war, erwartete uns, und so waren wir allein und doch nicht allein. Vielleicht die richtige Situation für unsere übervollen Gemüter, die ja nun wirklich eine unsagbare Härte, jedes für sich, zu tragen gehabt hatten und jetzt allzu leicht durch unser absolutes Alleinsein in schwer­mütige Verfassung hätten geraten können. So erfreuten wir uns zu Dritt an einem heiteren, kleinen Picknick von den gesparten Mitbringseln aus Lemberg : ein kalter Braten, Cog­nac, Butterbrote und Süßigkeiten. Alles, was wir sprachen und planten, hatte einen humorvollen Anstrich.

Da wurde der Plan für den morgigen Tag festgelegt, für den unausweichlichen Besuch beim Oberen Befehlshaber der SS und Polizei, der höchsten Gestapostelle in Krakau , bei der ich mich vorzustellen hatte.

Ein Plan war schnell fertig: Ich sollte ruhig hinaufgehen in den gefürchteten Bau und beim nächsten Häuserblock, mit Sicht auf die Eingangstür, würde Elisabeth warten und etwas weiter dahinter die Stuttgarter Freundin. Beide woll­ten unbedingt etwas unternehmen, wenn meine Rückkehr zu lange dauerte. Elisabeth wollte einfach hineingehen und wenn auch sie ausbliebe, die Freundin telefonisch alles in Bewe­gung setzen. Vielleicht kindlich, aber der Plan machte uns Spaß, ja wir tranken darauf einen Cognac, noch einen und einen dritten. Aber dieses Mal sollte mich die Gestapo nicht mehr bekommen, das wäre sicher! Tatsächlich gab mir dieser Entschluß Zuversicht.

Lange plauderten wir über das Lager, über die Briefe, über die Locke, über die roten Rosen. Jetzt löste sich all der Druck der schweren Stunden in einem leichten Geplänkel darüber.

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