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Gestapo-Häftling 52478 aus dem KZ Oranienburg-Sachsenhausen / Bert Utsch ; Vorwort von Bert Irving ; Zeichnung des Buchtitels und der Bildeinlage von Max Pöppel
Entstehung
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,, Gut, wir treffen uns dort im Grand Hotel ." ,, Also in Krakau ! Hallo, Elisabeth...66

Schon war die Verbindung unterbrochen, die rein und klar war und sich so überraschend schnell und wie der Ablauf unbedingter Gesetzmäßigkeit vollzog. Habe ich auch nichts vergessen? Ja, natürlich, ich konnte ihr nicht mehr sagen, daß ich morgen erst, günstigsten Falls am Mittag, hier ab­reisen konnte. Es fehlte ja noch der richtige Passierschein!

Jetzt kamen endlich die Stunden der wohlverdienten Ruhe, der erste Schlaf nach der im Zug, auf dem Bahnhof und im Bummel durch Breslau verbrachten Nacht. Der erste Schlaf nach vierzehn Monaten ohne richtiges Bett, nach vierzehn Monaten Gefängnis und KZ- Lager- Unterkünften!

Alles funktionierte in dem Hotel. Es kam mir wie eine Gnade vor, mich endlich derart wohlig ausruhen zu können, mich zu waschen, zu pflegen, stundenlang die Leitung mit fließendem warmem Wasser in Anspruch zu nehmen und unten im Gästeraum die markenfreien Speisefolgen auszu­suchen.

Erfrischt ging ich dann morgens um neun Uhr zur fest­gesetzten Stunde auf die Polizeistelle. Der Empfang des Pas­sierscheins erlitt eine Verzögerung, die nicht in der Natur meines Begehrens lag, sondern dadurch verursacht wurde, daß man dem Polizeioffizier, der mir so entgegenkommend gehol­fen hatte, einen Strick drehen wollte. Ich versuchte alles, dies abzuwenden. Es war mir mehr als unangenehm, als der den Fall aufnehmende Beamte die peinliche Bemerkung machte: ,, Dem sind wir schon lange auf der Spur. Ihre Gesinnung aber können wir sowieso erraten, wenn Sie aus dem KZ kommen!"

,, Haben Sie den Fall auch genau aufgenommen?", kam ein höherer Beamter herein.

,, Ja, aber brauchen wir die Unterschrift des Utsch?" ,, Nein, die würde uns sowieso nichts besagen. Es genügt, wenn wir es festlegen."

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