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Gestapo-Häftling 52478 aus dem KZ Oranienburg-Sachsenhausen / Bert Utsch ; Vorwort von Bert Irving ; Zeichnung des Buchtitels und der Bildeinlage von Max Pöppel
Entstehung
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An diesem Tage strahlte die Sonne in Breslau . Der gute Beamte, der mir am Sonntag so bereitwillig und menschen­freundlich den Weg ebnen wollte, hatte recht. Auch Ihnen wird wieder einmal die Sonne scheinen! Und schien sie mir nicht, auch wenn sie nur dezemberlich schien? Aber schien sie mir nicht leuchtend hell, hell strahlend, da ich nun meinem einzigen Verlangen entgegenfahren konnte, meiner Frau, mei­ner Elisabeth!

Und doch! War es nicht vielleicht für den anderen eine ver­hängnisvolle Wendung? Waren nicht schon wieder die Scher­gen am Werk, das Satanische gegen das Gute auszuspielen, das ohnmächtig darniederlag? Das große KZ- Lager Deutsch­land aller Orten!

Nie werde ich das Polizeigefängnis Breslau vergessen, das ich nun in allen Formen erlebt hatte: Der Empfang des Häft­lingszuges aus Krakau , damals in der Nacht, als ein großes Polizeiaufgebot uns mit aufgepflanzten Bajonetten empfing. Dann Polizisten mit Handschellen in der Hand, die ich an­gelegt bekam, ehe noch mein Fuß vom Trittbrett des Wag­gons zum Erdboden glitt. In dunkler Nacht durch das Spalier der aufgepflanzten Bajonette, gefesselt, von Polizisten ge­führt. Dann in die Minna, den Polizeiwagen, gepfercht und in das Polizeipräsidium gebracht. Ich lernte damals die Kel­lerräume kennen und nun auch die Amtsstuben und die Amtshandlungen.

Das war aber nun vorbei! Neues Leben pulsierte in mir und nur kurz hielt ich mich noch bei diesen Gedanken auf. Die Auslagen der Buchhandlungen interessierten mich. Nicht die Buchhandlungen im eigentlichen Sinne, in denen nur so­genannte völkische und militärische Literatur marktschreie­risch zum Kauf angeboten wurde! Mehr die alten, kleinen Antiquariate mit ihren da und dort noch zu entdeckenden lite­rarischen Kostbarkeiten aus verklungenen Zeiten, mit Kupfer­und Stahlstichen . Ich konnte nicht widerstehen, einen klei­nen, ersten Gruß für meine Elisabeth zu erstehen. Ich fand ein sinnreiches, schönes Bild aus der Romantikerzeit und

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