mit den Entlassungsscheinen in der Tasche, löste sich auf. Der eine holte sich seine Fahrkarte, der andere brauchte nur seinen Einberufungsbefehl vorzuzeigen, um an sein Ziel zu kommen und Soldat zu werden.
Für ‚mich hatte der Bahnsteig in Oranienburg noch nichts Befreiendes, hatte ich doch hier schon zweimal gestanden. Einmal, als ich ins Lager kam, das andere Mal zur Überfüh- rung nach Berlin zum Reichssicherheitshauptamt. Immer in dem Gefängniswagen, der auch jet mit anrollte, um die an- deren zu übernehmen, das Häuflein Überführter!
Melancholie lag über dem Warten. Erst als ich dann im Abteil saß, besserte sich dies Unbehagen. Ich machte mir Ge- danken und Pläne über meine unmittelbare Zukunft: Nach Berlin fahren, in einem Hotel übernachten, vorher noch tele- grafieren! Ich kam in Berlin an, zusammen mit einem eben- falls entlassenen Häftling, einem Kriegsdienstverweigerer. Er paßte auf mein Gepäck auf. Ich suchte ein Postamt nahe dem Schlesischen Bahnhof . Da ich mich in Krakau melden mußte, schien ja meine Freiheit noch irgendeinen Pferdefuß, irgend- einen Hinterhalt der Gestapo , in sich zu haben.
Heimkehr zu Elisabeth.
Aber ich war frei! Da gab es kein Drehen und Deuteln mehr für mich. Ich wollte diese Freiheit um jeden Preis wenigstens so weit auskosten, meine Frau wieder in meine Arme schließen zu können. Dann konnte kommen, was wollte! Und wir würden uns gemeinsam wehren, nach der Aussprache, nach dem Sichwiederhaben, und sei es nur für Stunden, aber für Stunden wirklicher persönlicher Freiheit.
Ich formulierte mein Telegramm so, daß es zwar mein Empfinden in Worte faßte, aber doch den praktischen Er-
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