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Nun nahm uns halb schon Befreite ein Blockführer in seine Obhut und wies darauf hin, daß nun strenge Kontrollen unserer gesamten Gepäckstücke bevorstünden. Nochmals das alte, beklemmende Gefühl um meine Briefe! Alle Briefe meiner Frau hatte ich mir gegen strengste Befehle erhalten und jetzt im Rockärmel meines Winterpaletots verstaut. Die Zettelchen und Anschriften waren ebenfalls in höchster Gefahr. Ich selbst mußte damit rechnen, sofort ins Lager zurückgebracht zu werden.
Wir schritten zur politischen Abteilung. Ohne hinzusehen, unterschrieb ich den Passus der Verschwiegenheit. Es ging zur Häftlingskasse. Dort wurden mir Ehering, Brieftasche, Papiere und das einzige kleine Bildnis meiner Frau, das ich besaß, ausgehändigt. Ich bekam mein Häftlingskonto ausbezahlt. Alles freundlich, auffallend überfreundlich!——
Schon fühlte ich mich wieder gehobener und sicherer. Es ging dann, zufällig ohne die verheißene Kontrolle, durch den ersten und zweiten Wachring, an viel SS vorbei, endlich hinaus! Häuser, Straßen und erste Menschen, Zivilbevölkerung, begegnete uns.
Es war still in den Straßen, nur da und dort eine Frau, die ihre Einkäufe tätigte, für die aber die immer noch von dem SS begleitete Menschengruppe etwas Auffallendes hatte. Die Leute mußten es wissen, daß wir Entlassene waren. Sie blickten auf, doch die Zeit lastete auf allen und keiner wußte, wohin ihn der eigene Weg führte. Und so hatten diese Blicke nichts Verheißungsvolles oder Belebendes. Druck überall! Überall war die Belastung des Krieges und wohl ein wühlendes Schuldgefühl zu spüren!
Bald standen wir auf dem kleinen Bahnhof Oranienburg . Warten auf den nächsten Zug! Hier zerteilte sich jetzt die Gruppe: Die, die überführt wurden, blieben beim SS- Mann zurück und bildeten ein Häuflein für sich. Die andere Gruppe,
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