kreuzen, abzuschneiden oder durch Machinationen in bitterlichstes Weh zu verwandeln. Ich habe Briefe von Häftlingen. gelesen, die diese erhielten, Briefe, die unglaublichste Verleumdungen der Ehefrauen enthielten, von denen sich dann später kein einziges Wort als wahr herausstellte. Gleichzeitig hatte man der Frau verboten, ihrem Manne zu schreiben, oder man schüchterte sie ein.
Kein Ausmaß der Vorstellung würde genügen, das alles darzustellen, was in dieser Hinsicht im Lager bei jedem Postempfang ans Licht kam. Da hatten Frauen angeblich schon Kinder bekommen, dort hatten sie mit mehreren anderen gleichzeitig Verhältnisse, dann hatten sie die Sachen der Männer verkauft, dann wiederum waren sie selbst in KZ- Lagern! Solche und andere Aufregungen wußten Dritte Mitarbeiter der Gestapo den Häftlingen zu schreiben, dafür benützten sie ihre Zeit, während draußen die Millionenheere verbluteten und im KZ- Lager die großen Heere starben, ohne Kampf, ohne sich wehren zu können!
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Für mich persönlich bedeutete der Briefempfang viel Kummer und Leid. Nicht die Briefe selbst, nur der Empfang, wohlgemerkt! Ja, ich nehme an, man hatte den hohen Wert und Gehalt, die kämpferische Haltung und den Mut meiner Frau durchschaut, man wußte, welchen Wert diese Briefe für mich besaßen, und so wurden sie mir unter größtem Vorbehalt und in häßlichster Form verabreicht. Selten, daß ich meine Briefe in der üblichen Weise über den Block ausgehändigt bekam. Ich mußte fast jedes Mal zur Politischen Abteilung.
Auszug aus der Lagerordnung
Jeder Häftling darf im Monat 2 Briefe oder 2 Postkarten empfangen und absenden. Eingehende Briefe dürfen nicht mehr als 4 Seiten à 15 Zeilen enthalten und müssen übersichtlich und gut lesbar sein. Pakete jeglichen Inhalts sind verboten. Geldsendungen sind nur durch Postanweisung zulässig, deren Abschnitt nur Vor- und Zuname, Ge
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