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Gestapo-Häftling 52478 aus dem KZ Oranienburg-Sachsenhausen / Bert Utsch ; Vorwort von Bert Irving ; Zeichnung des Buchtitels und der Bildeinlage von Max Pöppel
Entstehung
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Damit will ich nur andeuten, wie viele von den Wenigen, die vielleicht glücklich die Freiheit wiedererlangten, sei es nun durch Bemühungen von außen her oder durch andere günstige Umstände, doch auch dann noch in die große Zahl der durch das KZ- Lager Verstorbenen eingingen. Auch hier noch arbeitete der Dezimierungsprozeß weiter, denn nur wenige haben die begnadete Konstitution, ein KZ- Lager zu überstehen und wirklich zu überwinden.

Briefe, die Fäden zur Außenwelt.

Bei den Kommunisten, und vornehmlich bei den deutschen Kommunisten, konnte in vielen einzelnen rühmenswerten Fäl­len die langjährige Standhaftigkeit der Frauen und Angehöri­gen beobachtet werden, die nicht locker ließen, ihren Kumpel mit zusammengesparten und von Freunden gestifteten Lebens­mittelsendungen zu erquicken und das Untragbare zu erleich­tern und über die lange, lange Zeit die Verbindung zu wah­ren. Da gab es Menschen, die seit 1933/34 in den verschieden­sten Lagern waren und sich das Leben retteten, nur durch den roten Faden treuer Anhänglichkeit ermuntert.

Freilich gab es noch mehr gegenteilige Beispiele und es ist nicht uninteressant, hier festzustellen, wie durch die Struk­tur des Lagers auch hier eine gewisse sonderbare Gerechtig­keit des Schicksals im großen und ganzen in Erscheinung trat. Waren es hauptsächlich die politischen Gefangenen und einige andere Gruppen, wie z. B. die Bibelforscher, die insofern am härtesten betroffen waren, als sie die Konzentrationslager be­völkern mußten, ohne je im Leben ein eigentliches Verbre­chen begangen zu haben, so kamen die sogenannten Berufs­verbrecher, Sittlichkeitsverbrecher, Sicherungsverwahrer und Asozialen meist doch schon aus Strafanstalten, waren zum Teil wirklicher Verbrechen schuldig befunden worden und

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