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Gestapo-Häftling 52478 aus dem KZ Oranienburg-Sachsenhausen / Bert Utsch ; Vorwort von Bert Irving ; Zeichnung des Buchtitels und der Bildeinlage von Max Pöppel
Entstehung
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zentuale Berechnungen und statistische Hinweise und Abrech­nungen zu geben, werden all diese Dinge durch objektiv arbeitende Kommissionen geklärt und festgelegt werden. Es soll nur von einem, der es erlebte und verhältnismäßig ge­nauen Einblick hatte, ein Bruchteil dessen veranschaulicht werden, was geschehen ist.

Es sind bei diesen nahezu 20 000 Menschen alle jene nicht mitgerechnet, die sofort im Lager an die rechte Seite des Tores treten mußten und ohne weitere Registrierung und Aufnahme sofort durch die verschiedenen Todesmethoden umgebracht wurden. Auch ist diese genauere Buchführung erst eine Erscheinung späterer Jahre. Wie ich mir immer wie­der sagen ließ, wurde auch hierin in früheren Jahren sehr großzügig gehandelt und es wurden einfach beliebige Strei­chungen und Radierungen vorgenommen. Wie überhaupt die Buchführung, wohl aus ganz bestimmten Gründen, mit Blei­stift und nicht mit Tinte und Feder ausgeführt wurde!

Ich will hier auch nur kurz mein allererstes Erlebnis mit dem Worte ,, KZ- Lager" einflechten, um aufzuzeigen, was noch weiter dahintersteckte, wenn den 25 000 Lebenden nur 20.000 Tote gegenübergestellt werden.

Ich hatte im Jahre 1938 eine bibliothekarische Nebenarbeit und einen Rechtsstreit für den Grafen Alexander Hochberg zu tätigen. In dem Rechtsstreit spielte ich die Vermittlerrolle zu einem bekannten Vertreter des bürgerlichen Rechts, den ich zufällig kannte und der familienrechtliche Angelegenhei­ten in einer Brauereiteilhaberschaft durch ein Gutachten schlichten sollte. Dadurch war meine Fühlungnahme mit dem genannten Grafen Hochberg zu einer persönlichen Bekannt­schaft geworden, so daß dieser mir hin und wieder schrieb. In einem seiner Briefe hieß es: ,, Mein Bruder Bolko wurde in das KZ- Lager Oranienburg geschleppt. Nach einem Viertel­jahr kam er wieder frei. Er ist jedoch vierzehn Tage später, ohne daß er nochmal sein inzwischen geborenes Töchterchen sehen konnte, verstorben."

7. Bg. Utsch, KZ.

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