muß, so wußten wir, daß die furchtbare Wirklichkeit des KZ auch ein furchtbares Unglück über Deutschland , das dem Teufel verschrieben war, hereinbrechen lassen wird. Ganz Deutsch land , ja halb Europa war ein einziger Kasernenhof, ein einziges KZ, das sich nur in einzelne Unterscheidungen, in Grade aufteilte; wird es dieser falsche Prophet in seinen tiefsten Niedergang stürzen? Das war die Bilanz unserer Gespräche über den Nationalsozialismus .
Alfred hatte viele kleine Kniffe, um allen Widerwärtigkeiten im Lager zu entgehen. Bald bekam ich auch seine Geschichte zu hören, die ihn in das KZ brachte, in dem er schon vier Jahre schmachtete.
In München wurde an einem Faschingsabend, das heißt in der Nacht, der bekannte Kunstmaler Herpfel ermordet aufgefunden. Auf seinem Wege nach Hause hatte er diesen Mann begleitet, mit dem er gut befreundet war, nachdem beide ein Vergnügungsfest in der Schwabinger Brauerei erlebt hatten. Am nächsten Tage erschien bei ihm die Kriminalpolizei und verhörte ihn mehrmals. Es fand eine Haussuchung statt, aber man fand weiter nichts Verdächtiges, doch nahm einer der Beamten ein geheimes Tagebuch mit. Als sich dann der wirkliche Täter, der der Sohn des Kunstmalers war, herausstellte, schien die Sache für den Schriftsteller Alfred Weiß- Rütli erledigt. Nach einiger Zeit jedoch erschien die Gestapo , nahm ihn zum Verhör mit und legte ihm das Tagebuch vor.
Dieses Tagebuch enthielt nun alle Gedanken, die sich im Gewissen des Dichters gegen die Einrichtungen des Dritten Reiches regten, und da er bekannte, dies geschrieben zu haben, blieb er zunächst in Haft. Nach einigen Tagen war sein Sachbearbeiter nicht mehr in dem Gestapogebäude und dessen Vertreter steckte ihn kurzerhand in das Lager Dachau . Seither wurde sein Familienleben unterminiert, ihm keine Möglichkeit mehr gegeben, sich irgendwie zu rechtfertigen oder zu äußern. Jahr um Jahr blieb er im Lager und wurde schließlich von Dachau nach Berlin - Oranienburg überführt. Alfred wurde mein Freund im Lager. Geist fand sich zu Geist und Hoffnung knüpfte sich an Hoffnung.
Er selbst gab einer ganz anderen Geschichte die Schuld für sein Unglück. Mit rührender Offenheit und leichtem Erröten erzählte mir der Dichter, warum er seiner Meinung nach im
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