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Gestapo-Häftling 52478 aus dem KZ Oranienburg-Sachsenhausen / Bert Utsch ; Vorwort von Bert Irving ; Zeichnung des Buchtitels und der Bildeinlage von Max Pöppel
Entstehung
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Lager büßen müsse. Er war ein großer Verehrer bayerischer Kunst, besonders jener primitiv bäuerlichen Kirchenkunst, deren kulturelle Leistungen man überall zu Lande findet, sei es in Hinterglasmalereien, Ölbildern, Votivtäfelchen, Schnitze­reien und all den anderen Kunsterzeugnissen. Diese Lieb­haberei war bei meinem Freunde zu einer ausgesprochen när­rischen Manie geworden. Um jeden Preis mußte er einen Gegenstand, in den er sich nun mal vergafft hatte, auch be­sitzen. Eines schönen Tages, auf einer Wanderung im Chiem­seegebiet, kam er an eine der kleinen, altehrwürdigen, lieb­lichen Kapellen, die dort auf dem Lande an Wegkreuzungen oder schönen Punkten stehen, und besah sich diese Kapelle, bis er die Entdeckung machte, die dann sein vermeintliches Verhängnis wurde.

Er sah ein Votivbild, welches darstellte, wie ein Dieb in Gefangenschaft schmachtete, aber dadurch, daß er das Ge­lübde machte, der Kirche ein schönes Votivbild zu stiften, befreit wurde. Er sah dieses Bild, das ihn in seiner ganzen Naivität der Handlung und Malart entzückte und beein­druckte; er konnte sich nicht dagegen erwehren, das Bild vor­sichtig aus seiner alten Verschraubung auszulösen, in seine Mappe zu packen und mitzunehmen.

Schon auf dem Wege nach Hause packten ihn Skrupel und Zweifel über dieses Sakrileg, diesen schändlichen Gottesraub, den er begangen hatte. Aber jedes Mal, wenn er das Bild aus seiner Mappe hervornahm, um es wieder zu betrachten, packte ihn von neuem dieses Fieber der Begeisterung und er blieb bei seinem Entschluß, das geschätzte Kleinod mit nach Hause zu nehmen und seiner Sammlung altbayerischer Kunst einzu­verleiben.

Jetzt, wo er im Lager war, erinnerte er sich immer wieder dieses Gottesraubes; in der religiösen Einfalt seines guten Herzens gestand er sich, daß dieser wohl alle Schuld ver­ursache, daß auch er nun in so lange Gefangenschaft geraten sei, und so habe auch er das Gelübde getan, ein solches Votiv­bild zu stiften, wenn er das andere an die Stelle zurück­gebracht und in Demut und Reue den Schaden wieder gut­gemacht habe. Sein Herz blutete in inneren Nöten, in die ihn dieser Diebstahl eines geweihten Gegenstandes gebracht hatte. Wann wird er befreit sein, um sein Gelübde zu erfüllen?

6. Bg. Utsch, KZ

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