Zwei Tage lebte ich hier, fand Bücher und Zeitungen vor und unterhielt mich vornehmlich mit einem jugoslawischen Journalisten, der unter politischem Verdacht stand und diplomatischen Kreisen aller Herren Länder nahestand und sehr interessant zu erzählen wußte, aber mir nicht verheimlichte, daß er furchtbare Angst vor einem KZ- Lager habe.
Ich mußte auspacken und erzählen, was ich wußte, gab aber eine vorsichtige Schilderung der Verhältnisse des Lagers, zumal mich mein Bekannter warnte und mir unbemerkt einen SS- Spitzel, der sich unter den Insassen befand, zeigte.
Ich sehe meine Frau wieder.
Einmal öffnete sich unsere Türe: ,, Herr Utsch!"
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Ich staunte und traute meinen Ohren nicht, war ich doch gewöhnt, nur auf die Häftlingsnummer zu reagieren. Ich meldete mich. ,, Bitte kommen Sie näher." Ich ging dann durch die langen Korridore und Winkel mit dem Gestapobeamten in ein anderes Gebäude; unterwegs frug er mich, ob ich wisse, daß ich jetzt meine Frau sehen werde.
Ich hatte alles andere, nur dies nicht erwartet und freudigste Gefühle erfüllten mich.
Wir traten in ein Zimmer mit Klubsesseln, den Empfangsraum der Gestapo . Hier wurde mir nochmals eröffnet, daß in wenigen Minuten meine Frau erscheinen würde. Die Sprechdauer würde eine halbe Stunde betragen, doch würde das Zusammensein sofort unterbrochen, falls auch nur ein Wort über ,, meinen Fall" und über das Lager zur Sprache käme.
Dann kam sie. Das war ein Wiedersehen! Aber unter welchen Umständen, in welch bedrückender Enge! Das schöne Zimmer hatte keine Tür zur Freiheit und alle Empfindungen wurden gedämpft durch den lauernden, behäbigen Gestapobeamten, der sichtlich auf jedes Wort achtete, das gesprochen wurde.
Man sitzt sich gegenüber und spricht, doch jedes Wort ist erzwungen, gehemmt, nicht der eigentliche Mensch spricht,
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