nicht der Liebende, nicht der Mann, sondern ein fast sich selbst Fremder; so ist dieses Zusammensein ein Aufzählen bestimmter Ereignisse, ein Fragen nach den Kindern, nach Freunden und Bekannten und nach der Katze. Es verstreicht die kostbare Zeit, ohne daß man sich näherkommt; so brennend heiß auch das Verlangen restloser Hingabe ist, ein nur zu bekanntes Etwas steht zwischen uns.
Als wüßte meine Frau, daß ich dies lange entbehrt hatte, reicht sie mir mit schalkhaftem Lachen eine Semmel und ich beginne sie zu zermalmen, nicht ohne ein Lächeln über diese Liebesgabe, die mir im Moment mehr wert war, als das große, schöne Paket, das meine Frau mir dann noch übergab und das der SS - Beamte beargwöhnte, als seien Kassiber, Gift oder Waffen in dem Backwerk.
Der Beamte stellte plötzlich fest, daß die Zeit vorbei sei, ja daß sie schon längst überschritten wäre. Ich merkte ihm an, daß er sich langweilte. Ich hingegen wollte meiner Frau nun zu verstehen geben, was los war!
Ich fragte den Beamten, ob ich nicht nach dem Besuch meiner Frau mit ihm selbst mal sprechen dürfe, denn ich wüßte überhaupt nicht, warum ich eigentlich ohne Verfahren und Urteil im Lager sei und möchte ihn um Aufklärung bitten.
Auf diese Weise war nun wenigstens meine Frau auch unterrichtet, unter welch unbegreiflichen, rätselhaften, unbekannten Umständen ich festgehalten wurde und in einem KZLager sein mußte. Diese Aufklärung sollte sie mit nach Hause nehmen als unseren Triumph, nachdem die Zeit sowieso abgelaufen war. Und ich merkte, daß sie mich verstand. Der Abschiedskuẞ und ein mutiges Flüstern ins Ohr war das Lette. Ich verstand wohl ihre Worte nicht ganz, aber sie sprach vom Kämpfen und vom Sieg über die Methode.
Der Beamte hielt meine Frau zurück und frug: ,, Was ist mit dem Geld, was ist mit den 250 RM.?"
,, Sehr einfach", sagte meine Frau,„ man hat sie meinem Mann auf dem Monte Lupich vorenthalten, obwohl er dort als Zusatz zu seiner Verpflegung das Geld haben durfte, wie man mir ausdrücklich mitteilte. Das Geld wurde einfach gestohlen, um es geradeheraus zu sagen."
Der Beamte stutte über diese Offenheit, machte sich eine Notiz und bemerkte: Wir werden den Fall noch unter
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