machten dann aus, daß ich ein entsprechendes Schreiben an die Abteilung Wirtschaft richte und ich das von der Gestapo bestätigt erhalte, mit Amtssiegel. Was auch prompt geschah. Das Leben hat schon so seine Besonderheiten.
Bei mir ist ja jeden Tag was los. An Abwechslung fehlt es nicht, und doch ist mein Leben nur eine große Trauer, die alles überschattet. Hinter allem sitzen Leid und Tränen um Dich, mein Herz, von dem ich mit absoluter Gewißheit weiß, daß Du unschuldig bist. Deine Wünsche werden alle erfüllt. Wende Dich an Tante, sie weiß Bescheid.
Alle lassen Dich grüßen, besonders Frl. Lieberum, die mir treu zur Seite steht. Wir halten gut zusammen.
Alles Liebe von Deiner Elisabeth."
Bei mir hatten diese Briefe, zusammen mit dem Besuch der Gestapo in den Klinkerwerken, die Befürchtung ausgelöst, meine Frau könnte nun nicht mehr gut in Lemberg sein, längst wäre sie nun schon in die Maschen des Befehlshabers der Sicherheitspolizei geraten. Die Angelegenheit mit dem Papier erschien mir als das typische Verstrickungsmanöver und die beim Verhör in Krakau getanen Andeutungen des Gestapobeamten Transfeld: ,, Dann werden wir auch Ihre Frau hierher bitten und lange wird sie nicht mehr in Lemberg bleiben", schienen mir ziemliche Gewißheit für meine Annahme zu geben. Ich fand dann ein zweites Mal Gelegenheit, meine 15 Zeilen, die nicht viel besagen durften, zu schreiben.
Ich überlegte und machte folgendes: Die Tante, die meine Frau am Schluß erwähnte, konnte nur die Besitzerin eines Weinrestaurants in Berlin sein und würde also über alles Bescheid wissen. So plante ich, den Brief für meine Frau an sie zu adressieren und war sicher, daß sie alles tun würde, diesen Brief an sie weiterzuleiten, wo sie nun auch sei. Ich hatte damit auch die Hoffnung, daß der Brief nicht verloren ginge, und vielleicht auch schon durch telefonische Verbindung meine Frau viel schneller Bescheid bekäme. Es war natürlich das Risiko damit verbunden, daß die Lagerleitung oder Postzensurstelle das Manöver durchschaute und mir Strafe oder Nichtabsendung des Briefes drohte.
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Am 20. 12. 1942 schrieb ich dann:
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