,, Meine liebste Elisabeth!
Welche Erlösung brachten Deine Briefe vom 11. und die beiden vom 21. 11. 1942. Gerade habe ich sie erhalten und heute ist Schreiberlaubnis. Sehr gut, daß Tante informiert ist und so wirst Du die Nachricht dorthin bekommen, wo Du Weihnachten wohl sein wirst. Ich bin gesund, und da ich nichts so hoch halte, wie meine Liebe zu Dir, wird es auch weiter gehen. Nun ist meine Erwartung,( direkt) hierher von Dir zu hören, sehr groß. Bin jetzt schon über zwei Monate von Dir getrennt.
Grüße innigst unsere Kinderlein! Weihnachten bin ich in Gedanken bei Dir. Wie immer
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Dein Bert."
Und da ich diesen Brief also an die Tante adressierte, die unsere Verbindung herstellen sollte, opferte ich die nächsten vier Zeilen von den fünfzehn, die mir gewährt waren, der Tante, um sie gleichzeitig zu informieren.
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..Liebe Tante!", schrieb ich. Ich darf diese Anrede, die Elisabeths Privileg ist, auch mal gebrauchen. Bitte ihr diesen Brief weiterzusenden und( in meinem Namen) ein liebes Weihnachtsfest- und Neujahrstelegramm an sie zu richten. Mit vielem herzlichen Dank und Grüße.
Es nahten die Weihnachtstage.
Adalbert Utsch."
Nur von kalendarischer Bedeutung für das Lager! In nichts unterschied sich Weihnachten vom Alltag, und doch hatte der Blockälteste, ein Tscheche, als dann der Heilige Abend wirklich da war, eine Überraschung. In der Tagesbude war ein kleiner Adventskranz, von der Decke herabhängend, geschickt. über dem Mittelpunkt der Tische angebracht und zwei Talglichter strahlten über der dumpfen, dunklen Bude. Es gab ein teeartiges Gebräu. Ukrainer stimmten traurige Weisen ihrer Heimat an, verfielen aber in ein weinerliches, weiches Schluchzen. Dann wieder versuchte sich eine kleine Gruppe Deutscher mit Weihnachtsliedern, aber die Uneinigkeit über das, was gesungen werden sollte, ließ keine rechte harmonische Stimmung aufkommen, und so trug man die stillen Gedanken in die weiten Fernen, in denen die Angehörigen ihr bescheidenes Fest ohne den Vater, den Mann. Bruder oder
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