fangs überaus zuvorkommend, während ich kaum zu ruhigem Atmen kommen konnte.
Voll banger Erwartungen, aber gewappnet mit verhaltenem Trotz, stand ich vor ihnen, merkwürdig berührt von dem, was sie mir vorzuhalten hatten. Es mußte um diese Briefe eine besondere Bewandtnis gehabt haben, aber bei der merkwürdigen Organisation dieser Gestapo - Oberbehörde war es immer so, daß sie voraussetzten, der Häftling sei Hellseher; so sollte ich wissen, was es mit diesen Briefen auf sich habe. Da sich gar keine Anhaltspunkte fanden, nahm ein großer, breitschultriger, modern gekleideter Beamter des Geheimen Staatsdienstes mit der wichtigtuenden Miene eines Kriminalobersekretärs oder-rates eine kleine schwarze Locke und hielt mir diese vor. Gleichzeitig schlug er mir die Briefumskläge ins Gesicht und fächerte sie in einem fort an meiner rechten und linken Wange hin und her und forderte mich auf, doch endlich Rede zu stehen, was ich mit diesen Locken vorhabe und was für Zeichen geheimer Verabredung sie seien.
Man male sich meine Situation aus. Ich wurde von meinem Arbeitstisch weg ahnungslos verhaftet und kam ohne jede Verhandlung in das Konzentrationslager. Hier war ich nun acht Wochen, sollte gerade erst die ersten Briefe meiner Frau erhalten, und hier sollte ich über diese Post Bescheid wissen, die meine Frau, im Glauben, ich sei im Reichssicherheitshauptamt, an mich geschrieben hatte und niemand weiter in Händen hatte, als dieses Amt. Die Herren hatten nichts weiter zu tun, während sie angeblich für die Sicherheit des Reiches Sorge trugen, als mit diesen Briefen auf kostspieligste Art einen derart konfusen Unsinn anzurichten. In Wirklichkeit waren die Briefe nichts anderes, als das schönste Zeugnis einer tapferen, treu umsorgenden, liebenden Frau, die trotz Teufel und Tod den Kampf draußen auf sich nahm und mit mutigen, schlichten, schönen Worten diesen Kampf, ihre Liebe und ihren Schmerz zum Ausdruck brachte.
Als ich dann in den späten Abendstunden mit zittrigen Händen in den Papieren blätterte und die Zeilen verschlang, die mit so viel Liebe und Zärtlichkeit mein Los zu erleichtern suchten und so voller Mut waren, konnte ich nichts, aber auch garnichts finden, was den Dummköpfen, auch bei regster Fantasie. als irgendwie verdächtig erscheinen konnte. Vor meinen Augen rollte noch einmal im Flug einer Sekunde die Skala
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