Druckschrift 
Gestapo-Häftling 52478 aus dem KZ Oranienburg-Sachsenhausen / Bert Utsch ; Vorwort von Bert Irving ; Zeichnung des Buchtitels und der Bildeinlage von Max Pöppel
Entstehung
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von spöttischen SS - Gesichtern und das Gequassel der beiden Gestapobeamten ab, die alle gespannt und auch wieder höh­nisch bei der Übergabe der Briefe lachten, bis sie sich ent­schließen konnten, sie freizugeben.

Ich wurde verpflichtet, laut Lagerordnung die Briefe nach dem Lesen in der politischen Abteilung abzugeben und dürfe, wie jeder Häftling, nur den letzterhaltenen Brief bei mir be­halten, alle anderen müßten zu den Akten kommen oder der Vernichtung preisgegeben werden! Ich wußte aber im gleichen Moment, wie ich sie erhielt, daß ich diese Juwelen nicht preisgeben und sie mit mir tragen würde wie einen Teil von mir selbst. Und danach handelte ich.

Die Briefe nähte ich sorgsam an den unteren Saum mei­nes gestreiften KZ- Lagermantels und brachte sie durch alle Schrecken und Bedrängnisse wohlbehalten wieder heim.

In dem ersten dieser Briefe, der vom 11. 11. 42 datierte, hieß es:

,, Mein geliebter Bert!

Nun sind es schon vier Wochen, daß uns das Schicksal auseinandergerissen hat. Wenn ich bloß wüßte, wie es Dir geht? Ich glaube ja nicht, was man mir erzählt, ich bin ja so mißtrauisch. Aber eines, Geliebter, kann ich Dir ver­sichern, meine Liebe zu Dir, die ist größer als alles in der Welt. Sie wird Dich begleiten, wo Du auch bist. Ich weiß, daẞ Du das fühlst. Hab um mich keine Angst. In meinem Leben habe ich so viel Schmerzen und Leiden ertragen müs­sen. Heute weiß ich, wozu es gut war, und wir Zwei haben einander heiraten müssen, es war uns so bestimmt. Ich würde Dir dieses ,, Ja" heute genau so treu und fest wie­der geben. Du, nur Du wirst es sein, für den ich lebe und kämpfe. Ich fürchte nichts. Das Fürchten kannte ich nie groß und heute habe ich es ganz verlernt. Ich lache auch, Geliebter. Was tut es, wenn das Herz auch blutet, sehen tut's keiner. Wenn wir einander wiedersehen, schauen wir beide anders aus. Du und ich, aber die Liebe, die größte Macht, bleibt uns.

Fräulein Lieberum und ich und all die anderen, sie den­ken und sorgen für Dich. Von überall her hilft man mir. Es wird Dir ein Koffer mit Deinen warmen und guten

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