Druckschrift 
Gestapo-Häftling 52478 aus dem KZ Oranienburg-Sachsenhausen / Bert Utsch ; Vorwort von Bert Irving ; Zeichnung des Buchtitels und der Bildeinlage von Max Pöppel
Entstehung
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wiederholte sich Abend für Abend das Entlausen mit stets gleichem Erfolg.

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Manche Abende jedoch waren ausgefüllt mit den sogenann­ten Stehkommandos; da wurde nach 6 Uhr so lange auf dem Platz verharrt, bis ein gesuchter vermeintlicher oder wirk­licher Flüchtling gefunden wurde. Man hörte das Aufbel­len der scharfen Hunde aus den Hundezwingern und in win­terlicher Nacht wurde solange gesucht und geschnüffelt, bis endlich einer, meist tot, herbeigeschleift wurde, von Häft­lingen getragen, die dem SS - Suchkommando angeschlossen waren. Dann ertönte das langerwartete Kommando., Mützen ab" und die Häftlinge rückten auf die Blocks.

Hunger, Fleckfieber- und Typhusgefahr, Dysenterie, Wun­den und Läuse an allen Körperstellen, Schlaflosigkeit, eines war so schwer zu ertragen wie das andere, das Unbeschreib­liche, das Getrennt sein, das Fernsein, das Nichtwissen um das Schicksal der Frau, die, weit weg, in 2000 km Entfernung, all den Gefahren des Ostens ausgesetzt war, die Frau, die ich mitgenommen hatte und die mit mir mein Leben teilte, das so jäh durchrissen war. Ich wußte nicht, ob sie nicht viel­leicht auch, wie es mir angedroht worden war, in die Hände der Gestapo gefallen war? Alles Nachsinnen, alles Denken führte zu keinem Ziel.

Erste Briefe.

Kein noch so kleines Lebenszeichen hatte mich seit dem. Transport durch den Osten Deutschlands nach Berlin , diesem Transport, der mir mit seinen Leidensstationen wie eine Ewigkeit vorkam, und seit der Ankunft im Konzentrations­lager, seit den schaurigen Eindrücken und Erlebnissen, die ich hier schon hinter mir hatte, erreicht. Viel hätte ich gegeben, zu wissen, wie es um diese Frau, die ich mein eigen nannte, ja einen Teil von mir selber wähnte, bestellt sei. Ich kannte ihre gebrechliche Gesundheit, ihre Krankheitsgeschichte bis in alle Einzelheiten, die vielen Operationen, die ihr im­mer wieder schwerste Prüfungen im Leben auferlegten. Ich wußte um ihren Hang zu ihrer vielgeliebten Mutter, mit der sie Liebesbande verknüpften, wie man sie selten zwischen Mutter und Tochter kennt, bis sie kurz vor unserer Heirat

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