Druckschrift 
Gestapo-Häftling 52478 aus dem KZ Oranienburg-Sachsenhausen / Bert Utsch ; Vorwort von Bert Irving ; Zeichnung des Buchtitels und der Bildeinlage von Max Pöppel
Entstehung
Seite
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,, Das ist egal, hier ist es nun mal so. Du mußt selbst sehen, wo Du bleibst. Wir müssen Dir Schuhe organisieren, gleich­gültig, wie und wenn wir sie stehlen. Hast Du Zigaretten?" Ich gab die Hälfte meines Päckchens ab. ,, Ja damit kommen wir nicht weiter", und so gab ich den Rest dazu.

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Was hast Du sonst noch?""

..Mein Brot von gestern."

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,, Her damit. Ich habe Beziehungen zur Schuhkammer, das andere laß meine Sorge sein."

Tatsächlich brachte der Kumpel Lederschuhe an. Offenbar zur Reparatur bestimmte, denn die Sohlen waren geschlissen.

Im Dunkel der winterlich kalten Morgenfrühe standen wir vor der Schreibstube, als auch schon das übrige Lager auf­marschierte und das unheimliche Ansammeln der vielen Men­schengruppen den Platz bevölkerte, die Transport- und Geräte­wagen heranrollten.

Als Erste verließen wir das Tor. Im Laufschritt, der keine Zeit zu einer Orientierung ließ, ging es durch verschiedene SS - Sperren, vorbei an der großen SS- Bäckerei, die die zwei Brotsorten für SS und Häftlinge anfertigte, bis nach% Stun­den Weges Anlagen auftauchten, die gleich erkennen ließen, daß hier und nirgendwo anders das Zweigwerk Klinker ein gefürchtetes Todeskommando sich befinden mußte.

Stacheldraht und Gitterdrahtumzäunung von außen, die Buden der Blocks und ein massiver Steinbau mit dem Tor­eingang! An einer Stelle, wo gerade Schotter- und Stein­massen angefahren waren und sich auftürmten, mußten wir Halt machen, uns in den in Straßenbreite angeführten Stein­massen aufstellen und sofort Hinlegen und Aufstehen üben. Durch die dünne Häftlingskleidung drangen die spitzen Steine. In Fetzen hingen die Kleider vom Leibe und Hände und Knie waren blutüberströmt; so verunstaltet wurden wir, nachdem dieses Kommando eine Stunde mit uns geübt wurde und wir zerschunden und zerrissen, gebeugt von Schmerzen, wieder auf die eigentliche Straße geführt wurden, dem Lagerältesten vor­gestellt.

Der Empfang wurde von SS - Leuten, die sich nicht genug darin tun konnten, uns zu beschimpfen, wie wir es wagen konnten, in einem derartig verkommenen Zustand nach Klin­ker zu kommen, durchgeführt. Jeder mußte einzeln in das

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