Druckschrift 
Gestapo-Häftling 52478 aus dem KZ Oranienburg-Sachsenhausen / Bert Utsch ; Vorwort von Bert Irving ; Zeichnung des Buchtitels und der Bildeinlage von Max Pöppel
Entstehung
Seite
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worte, bis der Häftling endlich selbst dieses entstellte Gesicht zur Schau trägt, das gerade recht ist für die fotografische Aufnahme, die seitlich und frontal erfolgt. Das Häftlings­gewand und das durch Leid und Angst verstörte Gesicht geben das Bild, das sie vom Häftling wollen: das Bild des Verbre­chertypus. Stolz und Scham sind nur noch in der Brust ver­borgen!-

Dann folgen die endlos langen Angaben und Daten. Eine Feststellung aber habe ich hier noch machen können: Unter den zur Mitarbeit herangezogenen Häftlingen sind diejeni­gen, die auf Grund einer besonderen Befähigung benötigt werden und ihren Dienst verrichten, oft auch anständige, auf­rechte Kerle, die nicht aus ihrer SS - Hörigkeit heraus han­deln, sondern weil sie etwas können. So bedienen die Appa­rate bei der Aufnahme Häftlinge, die mit fachlichem Können schnell arbeiten und doch noch Zeit finden, einen beruhigen­den Blick oder ein leises, freundliches Wort zu geben und damit die Situation zu meistern, damit überhaupt etwas zu­stande kommt, was durch die Machenschaften der SS kaum möglich scheint.

Dieser Gang zur politischen Abteilung hatte noch etwas Auffälliges. Die Luft war besser, der Ozon reiner, den wir hier atmen konnten. Ich blicke um mich. Neben mir steht ein politischer Häftling, der aus Spanien nach Deutschland transportiert wurde, ein sogenannter Spanienkämpfer der roten Armee, der mir schon manches von seiner abenteuer­lichen Tournee erzählt hatte. Macht das alles der Garten aus" fragte ich ihn ,,, ich bilde mir ein, die Luft wäre hier besser."

..Du bist wohl auch nicht ganz wach", meint er ,,, hast Du denn noch nicht die Türme der beiden Krematorien gesehen, die wir direkt hinter den Blocks im Lager stehen haben? Die dicken Rauchschwaden senken sich, je nachdem wie der Wind geht, direkt über unseren Platz, und so atmen wir ständig den Krematoriumsrauch. Das ist einen Tag stärker, den an­deren Tag etwas weniger auffallend, liegt aber nur am Wind. Ich habe mit einem Rückführer gesprochen, der hat mir er­zählt, daß Tag und Nacht gebrannt wird, Tag und Nacht die Unzähligen von Toten im Krematorium verschürt werden. Schau nur mal hier links rüber, diese dicke Wolke strömt aus dem Krematorium, und das atmen wir ständig ein, wenn wir im Lager sind."

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