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Gestapo-Häftling 52478 aus dem KZ Oranienburg-Sachsenhausen / Bert Utsch ; Vorwort von Bert Irving ; Zeichnung des Buchtitels und der Bildeinlage von Max Pöppel
Entstehung
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Ben Lager mühsam beschaffte kleine Tüte Haferflocken, die ich ihm kurz vor seinem Tode ins Revier schmuggelte, an­nehmen wollte und mit den Worten ablehnte ,, nimm Du sie, du hast sie auch nötig, vielleicht bleibt Dir Dein Leben.

Ich habe hier etwas vorgegriffen. Lange noch nicht war es so weit, daß ich mich im Lager bewegen konnte und einen Häftling im Revier aufzusuchen Gelegenheit hatte und wagen durfte.

Noch sind wir im Quarantäneblock abgeschlossen und auch vom eigentlichen Lager, unbestimmt auch, ob es das Schicksal überhaupt zuließ, in dieses aufgenommen zu werden, ob nicht schon vorher der eifrige Tod uns heimsuchte, oder ob da eines der gefürchteten Außenkommandos meine Bestim­mung sei.

Dann kam die Reihe an mich. Von einem kleinen, dicken Häftling wurden wir, zehn Mann, zur politischen Abteilung geführt. Es ging durch das große Tor, durch den ersten Mauerring mit den vielen Wachttürmen. Rechts davon entlang laufend, sahen wir zum ersten Mal die ständig unter Hoch­spannung gehaltenen Drähte und konnten die Maschinen­gewehre erblicken, die, über das ganze Lager verteilt, von den Türmen herunter im Nu auf den gerichtet waren, der sich außerhalb der offiziellen Wege bewegte, und sei es in der selbstmörderischen Absicht, in den Draht zu springen, um der Hölle des Lagers zu entgehen.

Außerhalb des Tores aber, das wir im Laufschritt erreich­ten, und nach der strengen Kontrolle der zehn plus einen Häftlinge, deren Nummern notiert wurden, kamen wir in eine andere Welt, die Welt der Lagerverwaltung, der SS- Be­wachungsorgane. Hier sah ich, wenn auch in der fortgeschrit­tenen winterlichen Jahreszeit nichts blühte, doch gepflegte Anlagen, Bäume und Strauchwerk, mit Rauhreif bedeckt, in denen, sympathisch versteckt, die einzelnen kleinen Häuser und Büros der SS - Wachen und Verwaltung lagen.

Man kann sich nicht vorstellen, welch klaffender Unter­schied sich jenseits und diesseits der Mauer auftat. Der Raum der politischen Abteilung war angenehm geheizt, luftig und groß. Nicht zu übertünchen aber ist die Art und Gesinnung der Menschen, die hier an den Häftlingen ihr satanisches Handwerk ausüben; für jeden der Neuzugänge haben sie nur hohnlächelnde Grimassen und Fratzen und teuflische Schimpf­

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