ich werde Dir immer helfen, wenn es geht. Aber weißt Du, was ich habe?"
,, Kann ich mir denken", sagte ich ,,, Du wirst mit Deinem Bruch zu schaffen haben; es war ja fürchterlich heute. Und) wer weiß, was uns diese Nacht noch bevorsteht? Hast Du schon gehört, es sind so viel neue Zugänge gekommen, daß der Quarantäneblock überfüllt ist; jetzt sollen wir zu Dritt auf einem Strohsack liegen. Wie das wird, kann ich mir nicht vorstellen. Die Müdigkeit wird es schon schaffen. Wenn nur nicht wieder mitten in der kurzen Nacht das furchtbare Gegröhle und Stöhnen dazwischenkommt."
,, Weißt Du schon, der Salomon ist auch gestorben, vorhin haben sie ihn vom Abort rausgetragen."
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, Was, der ist schon tot? Am, Alex" war er noch so voller Hoffnungen und der alte Alich hat ihm noch Gedichte vorgelesen; ich kann das nicht verstehen. Der vierte, den ich schon vom Transport her kenne, lebt nun nicht mehr." Das war unser abendliches Gespräch.
Tote, Tote und lebende Tote! Beim Schlafengehen ging es verhältnismäßig still zu heute. Scheinbar waren auch die Wachhabenden müde und zu faul, sich um uns zu kümmern; auch die Deckenausgabe war ruhiger als gestern, und jeder hatte nur die Sehnsucht, sich lang zu legen. Wenn es auch noch so eng war, so war es doch warm. Warm, nachdem man SO durchgefroren war bei dem langen Stehen. Ich dachte an meine Frau; was ist nun mit Elisabeth? Endlich schlief ich, schlief fest, bis wir morgens halb fünf Uhr aus den rohgezimmerten dreistöckigen Bettstellen purzelten. Das laute Rufen vom Bettenbau ertönte, und kunstfertig mußten die Strohsäcke bügelbrettglatt zurechtgestrichen werden, um den Ansprüchen des Pironje, der mit polnischen und oberschlesischen Flüchen und seinem Stock herumwütete und heftig dreinschlug und seine Helfershelfer anstachelte, Genüge zu tun. In wenigen Minuten war der Raum geleert.
Schuhläuferkommando!
Im Anschluß daran wurden wir dann zur Ausgabestelle der Schuhe gebracht. Aus einer kleinen Fensterluke wurde jedem ein Paar Schuhe verabfolgt. Große und kleine Schuhe, wie
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