den bestialischen Uniformierten zu stehen kamen. Langsam wurden es immer mehr. ,, So, das sind die Helden!"
Er klopfte dann an das Fenster und es erschien eine Gestalt, von der wir auch zuerst nicht recht wußten, ist es ein Häftling oder ist es ein SS- Mann. Sie trug eine Binde auf einer beim Nähertreten erkennbaren gut aussehenden Lagerjacke, und da ich an einem Tisch ziemlich nahe stand, konnte ich ein großes Z auf der Binde erkennen. ,, Schreib Dir diese Leute auf", befahl der SS- Mann. ,, Einer ist dabei, der sich nicht melden braucht, für ihn haben wir eine besondere Überraschung. Wir können warten, auch mit den Strafen." Dann brüllte er: ,, Wegtreten!"
Verdugt über den unerwarteten Befehl blieben noch einige stehen; die wurden mit Fußtritten aus dem Rampenlicht zurückgeschleudert und damit verschwand der SS- Mann in Begleitung des anderen mit dem großen Z am Arm. Verschüchterte, verstörte, leicht erhitzte Gesichter blickten einander an, keiner dachte mehr an Hunger; da erschienen die Essenholer mit den großen Kübeln, aus denen es leicht dampfte.
Es gab einen Schlag bräunlichen Getränks, das Kaffee sein sollte, zwei dünne Scheiben Kommißbrot, dazu etwas Margarine. Bei dem Verteilungsprozeß war bezeichnend das Gehabe der Quarantäne- Aufsichtsleute, welche sich den Löwenanteil des Fettes sicherten und dann um so gerechter den Rest für die einzelnen Tische aufteilten und hier wiederum einen Häftling bestimmten, die Verteilung vorzunehmen, ihn aber drohend anraunzten, ja gerecht zu sein. Das war die Gerechtigkeit, die Gerechtigkeit des Dritten Reiches !
,.Bert, iß das Brot nicht auf", mahnte mich Otto. ,, Hast Du auch verstanden, wie sie Dir drohten?" Ich war geknickt und besonders unruhig, weil ich ahnte, daß dies für die nicht Aufgerufenen ein schlechtes Omen bedeutete. Was mit den anderen, die nicht wußten, warum sie im Lager waren, vor sich gehen sollte, war ja auch noch nicht geklärt, aber alles deutete darauf hin, daß mein Strafausmaß durch neue Gemeinheiten erhöht werden sollte.
Ich grübelte. Aber dann zerschlug mir Otto die Gedanken, indem er meinte: ,, Vielleicht ist es auch wieder gerade Dein Glück, wenn Du gleich zu Anfang alle Schikanen des Lagers erfahren mußt. Kopf hoch Bert! Wir halten zusammen und
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