Mir bangte beim Näherkommen des Allgewaltigen, und als. die Reihe an mir war, sagte ich kurz entschlossen: ,, Ich habe des öfteren abfällig über die SS gesprochen." Die Wirkung war gegenteilig, als ich erwartet hatte. Ich wurde dennoch mit aufgeschrieben, obwohl ich beobachtet hatte, daß nur diejenigen notiert wurden, die gar nicht wußten, warum sie im Lager waren. Von diesem Moment ab überkam mich ein beklemmendes Gefühl; wie im Taumel ging dann alles Weitere vor sich. Aber es gab einen Lichtstrahl: von einigen Häftlingen, die mich zuvor mißtrauisch betrachtet hatten, erhielt ich einen Zuspruch, der sich in ihren Blicken äußerte. Ich sah in den Augen der Leidenden Freude und sogar einen Unterton eines nicht totzukriegenden Humors selten starker Naturen. Das ging aber alles so schnell, daß ich mich kaum mehr erinnere, wie ich dann wieder in unsere Quarantänebude gelangt bin. Nur eines weiß ich, daß in dem Augenblick, da der Lagerkommandant vom Präsentierteller verschwunden war, die drei SS - Leute uns hetzten und trieben und wir wie gejagtes Wild zu unserem Gitter zurückströmten.
Auch die, welche nicht laufen konnten, hatten einen rasenden Furor in sich, als stände hinter diesem Gitter unser Heil und Schutz.- ,, Ihr Schweine, Ihr Säue, Ihr Grobzeug, das kein Gott geschaffen hat! Bestien, macht zu! Lauft oder wir legen Euch gleich um", brüllte es hinter uns her, und die letzten, die in ihren Pantinen humpelten und rutschten, schrien laut auf unter den Tritten und Fäusten der SS - Leute.
Es wurde nacht und dunkel.- ,, Wie heißt Du mit dem Vornamen?" beginnt Otto;„ Bert", sage ich ,,, nennt mich meine Frau zu Hause, eigentlich Adalbert." Also weißt Du, Bert, was Du heut gemacht hast, war ein großer Fehler. Du bist zu offen, das wird Dir immer schaden, hier wird es Dich vielleicht sehr bald zugrunde richten", sagte er in seinem sympathischen, österreichisch gefärbten Dialekt. ,, Mensch, Otto, ich wußte nicht, was ich sagen sollte, aber ich war mir klar darüber, daß es irgend etwas sein mußte. Und so ist mir das herausgeplatzt. Es traf ja auch zu und ich weiß genau, daß der als biederer Kaufmann getarnte, wie ich später erfuhr, Vertrauensmann der SS, Erich Roesmann in Lemberg , mich nur einlud, um meine Meinung über SS und Gestapo zu erkunden, um sie brühwarm nach Krakau zu bringen, wo er sich beim Höheren SS- und Polizeiführer Liebkind machte."
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