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Halt Wacht im Dunkel / Hiltgunt Zassenhaus
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Das ist es also! Dresden , die Stadt ohne Ruinen, ist an der Reihe, die letzte Großstadt. Es geht zu Ende.

Wir warten, wie lange, weiß ich nicht. Eine Stunde, zwei Stunden? Die Nacht ist wie das Fahren im Zuge. Das Bewußtsein ist herabgesetzt, der Begriff von Zeit geht verloren. Endlich heißt es: ,, Einsteigen!"

,, Nach Dresden ?"

,, So weit wir komraen."

Wir fahren. Ich schlafe wieder ein. Dann schrecke ich auf, irgend etwas ist nicht so, wie es sein soll. Ich blicke mich um. Es ist inzwischen hell geworden. Der Zug steht; neben uns sind viele Geleise, verstopft mit Zügen. Ein Güterzug, vollgepackt mit Soldaten, ein anderer Zug ohne Fensterscheiben. Frauen haben sich Tücher um den Kopf gebunden, Kinder legen frierend die Hände über die Ohren, alte Männer kauern sich auf Koffer. Flüchtlinge? Die Frauen halten die Kinder zwischen den Zügen ab.

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Wir warten; eine Stunde, zwei Stunden? An diesem Tag scheint es mir, daß ich noch einmal ebenso lange warte wie in zwölf Jahren. Es ist eis­kalt; die Füße sind wie abgestorben. Zuletzt steigen wir aus.

Wir gehen über die Schienen, von Bohle zu Bohle. Ab und zu drehe ich mich um. Vielleicht ist der Zug inzwischen wieder angefahren? Doch die Züge auf den Geleisen werden zu Punkten. Ihre Lokomotiven gleichen schwarzen Gesichtern mit weißen Kapuzen. Es ist nicht einfach, das Gleichgewicht zu halten. Es ist glatt, immer wieder gleite ich aus und falle. Die Mappe, die ich trage, wird mir immer schwerer. Hier sei die Endstation einer Straßenbahn, sagt ein Streckenarbeiter.

"

Es ist Mittag, als wir auf einem Vorstadtbahnhof in Dresden ankommen. Da ist die Grenze", dort beginnt die Zerstörung. Das Hotel, in dem ich mich zur Übernachtung angemeldet hatte, liegt in der Innenstadt. Der Zu­gang dahin ist gesperrt. Auf dem Bahnhof herrscht unbeschreibliche Verwirrung, jeder Eisenbahner ist von Menschen umringt.

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,, Wann geht ein Zug nach Berlin ?"

,, Niemand weiß es. Sie müssen warten." Die Stimmen sind ausgeleiert, die Augen blicklos.

In den Wartesälen des Krieges ergeht es mir wie auf einem Schiff bei Seegang. Es fängt im Magen an, irgendein Unbehagen, schließlich ver­schwimmt mir alles zu einer grauen Masse. Denn im Wartesaal vernehme ich die Melodie unserer Zeit deutlicher als irgendwo anders: Da klirren die Teller Warten. Da sagen die Augen der vor sich Hinstarrenden Warten. Da knarren die Bohlen unter Langschäftern und Holzpantinen Warten. Heute ist der Wartesaal wie ein Bienenkorb. Doch auch das Summen kennt nur eine Melodie Warten.

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Dieser Wartesaal ist die Welt von heute. Flüchtlinge sitzen am Boden, auf Bündeln und Matratzen, der letzten Habe. Sie breiten die Arme dar­

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