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Halt Wacht im Dunkel / Hiltgunt Zassenhaus
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denn jeder einzige Gefangene dort unten im Kreise ist mein Kamerad, ob nun Deutscher oder Ausländer.

So gilt mein Gruß ihnen allen, als ich unseren Freunden einen Brief übergebe und sie bitte, ihn erst am Weihnachtsabend zu lesen. Ich schreibe darin: ,, Erinnert Ihr Euch noch an den Brief, den ich Euch im vorigen Jahr geschickt habe? Wieviel hat sich in diesen zwölf Monaten ereignet! Ich habe mit Euch zusammengelebt und kann ermessen, welch eine schwere Zeit es gewesen ist. Schwieriger, darüber hinwegzukommen, als in den vergangenen Jahren. Größer denn je war die Hoffnung auf die Befreiung. Anders sollte es kommen. Wir müssen geduldig sein.

Euch gegenüber will ich zugeben, daß meine Arbeit mir manch eine Enttäuschung und Depression gebracht hat. Wie unwesentlich erscheint mir das aber, wenn ich mit Euch zusammengewesen bin, wenn ich wieder erlebt habe, wie Ihr diese Zeit ertragt. Sie hat Euch nicht gebrochen. Sie machte Euch stark und innerlich frei. Das Zusammensein mit Euch gibt mir Hoffnung auf die Zukunft, mag sie auch jetzt für mein Land dunkel aussehen. Es gibt mir Gewißheit, daß die Aufgaben, die die Nachkriegs­zeit uns stellen wird, bewältigt werden können.

Oft haben wir über dieses ,, Hinterher" gesprochen, und wir sind uns einig in allen Punkten. Ist es daher zu verwundern, daß gerade diese geistige Übereinstimmung ein Band zwischen uns geknüpft hat, das sich auch im Frieden als unlösbar erweisen wird? Wie ich mich auf den Tag freue, wo wir uns als freie Menschen begegnen werden!

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Dank für Eure Briefe. Ihr sagt, meine Briefe bringen Euch in die Zelle Freundschaft und Herzlichkeit. Nicht anders ergeht es mir, wenn ich Briefe von Euch erhalte. Draußen ist es ebenso kalt wie drinnen! Ihr habt recht in diesen Jahren habe ich eigentlich kein Privatleben gehabt, aber hatte ich es im Grunde nicht doch? Sind wir nicht alle zu einer ein­zigen Familie geworden? Gewiß, oft ist die Arbeit anstrengend gewesen. Es gab Tage; an denen ich so müde war, daß nicht nur die Füße schmerz­ten. Es gab Nächte, in denen ich keinen Schlaf zu finden vermochte, be­kümmert darüber, daß alle Bemühungen, alle Anstrengungen, aller guter Wille de facto doch nur wenig Hilfe für Euch zu erreichen vermochten.

Im tiefsten Dunkel der Nacht kam aber auch die Erkenntnis, daß es nicht allein hierauf ankommt. Auch die Imponderabilien zählen. Ich weiß, daß die guten Gedanken, die ich Euch jeden Tag schicke, ihre Macht haben. Ich habe einen fast kindlichen Glauben daran, daß Euch, so lange wir nur die Verbindung mit Euch aufrechtzuerhalten vermögen, nichts Böses ge­schehen kann. Lächelt Ihr? Ja. Doch Ihr sollt wissen, daß dieser Glaube und das felsenfeste Vertrauen, daß Gott immer bei uns ist, mir die Kraft geben, diese Arbeit weiterzuführen.

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Daß ich Menschen gefunden habe, die die gleiche Sprache sprechen wie ich wie wir aus dem verborgenen Deutschland - erfüllt mich mit

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