telephonischen Bericht. Beruhigen Sie sich!’ Er ist so ausgefallen, daß ich
.
Sie fortan nicht mehr überwachen zu lassen brauche——
„Sagen Sie das lieber nicht mit so großer Bestimmtheit,‘ unterbreche ich. „Sie tun Ihre Pflicht, wenn Sie mich überwachen lassen. Ich werde die meine tun—' Ich verstumme. Der fette Mann wird unruhig.„Wieso meinen Sie das?‘ fragte er bestürzt.
Ich lasse mir zur Antwort Zeit. Von weit her dringt das Klappern von Holzpantinen. Die blankpolierte Fläche des Schreibtisches glänzt im Sonnenlicht.-
„Ich wurde bei der Vorladung-nicht nur von der Gestapo vernommen; ich bin auch aufgefordert worden, Berichte über den Chef und das Personal der Anstalt zu machen.”
„Und was haben Sie geantwortet?" fragte der Chef kurzatmig.
„Zusammenzuarbeiten?" Der Chef lacht kurz auf, nimmt aus dem Neben- fach des Schreibtisches eine Zigarre und schneidet mit einer eigens gebauten Schere die Spitze ab. Dann greifen die dicken Finger zum Revers der Jacke und klappen es um. Keine Marke ist auf der Rückseite. Es,ist nur eine symbolische Geste.„Die Gestapo will mich überwachen lassen?” Er schüttelt den Kopf.„Sehen Sie!“ Er hält immer noch däs Revers zurückgeschlagen.
“ Lebensversicherung zu sein! Denn der Chef steht auf und streckt mir die
‚weichliche Hand entgegen:„Also zukünftig— keine Berichte.”
Das graue Zimmer und die weißlackierte Tür versinken wie ein böser Traum. Eins ist sicher! Dieser Chef wird mich nicht wieder von der Gestapo vorladen lassen.;
Die Uhr vom Zuchthausturm schlägt. a. Welch eine seltsame Stundel
Es überrascht mich nicht— vielmehr erkenne ich daran wieder jenen geheimen inneren Zusammenhang, den ich schon so häufig entdeckte— als der erste Gefangene, den wir an diesem Tage besuchen, zu mir sagt, daß im Neuen Testament dreihundertfünfundsechzigmal die Worte stehen: Fürchte nicht!
„Für jeden Tag im Jahr einmal!”
Anfang des neuen Jahres werde ich krank.„Mindestens sechs Wochen Bettruhe, sagt der Arzt. Nach drei Wochen bin ich aber schon wieder im
warten.
Nicht nur die Gefangenen!„Gut, daß Sie endlich wieder da sind,“ sagt der Oberinspektor.„Wir brauchen Sie dringend für die dänischen politi- schen Strafgefangenen, die wir jetzt bekommen haben. Sind Sie bereit, Briefzensur und Besuchsüberwachung zu übernehmen?"
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