„Wann kommt Ihr wieder?” haben uns die Gefangenen beim Abschied gefragt. j 2
Die Nelken habe ich zurückgelassen.„Solche Nelken schenkte ich Else zur Verlobung," sagt Eilif.„Vor vier Jahren.‘ Und er fragt:„Ob es noch ein Jahr dauert?“
Geduld, Eilif! Wir warten alle.
Im schleppenden Vierertakt rollen die Räder.
Sie‘warten in Kasernen, in Holzbaracken, hinter Mauern und draußen, Eilif. Viele warten. Alle, die unter dem Netz sind.————
In der Aktenmappe ist leichtes Gepäck und Proviant, als wolle ich einige Tage verreisen. Das Haus, vor dem ich haltmache, liegt in der Nähe der Universität, eine unscheinbare, etwas baufällige Villa, gradlienige Fensterreihen und reicher Stuck. Es wirkt unbewohnt.;:
Kaum habe ich den gußeisernen Griff der schweren Tür berührt, da summt es. Die Tür öffnet sich. Unsichtbare Augen müssen mich bemerkt
haben. k Es ist still im Parterre. Nur der Parkettfußboden zeigt die Spuren vieler Schuhe. Die Türen zum Flur sind geschlossen. Keine. Stimmen, kein Schreibmaschinengeklapper.
Ich räuspere mich, ich huste. Nichts rührt sich. Ich hole noch einmal die Vorladung hervor. Doch, die Anschrift stimmt! Dies Haus muß es sein. Zwischen den Türen an der Wand hängen mehrere Kupferstiche überein- ander. Hamburgensien, Überbleibsel aus der Zeit, in der noch irgendein „ehrbarer Hamburger Kaufmann“ dies Patrizierhaus bewohnt hat. Ich gehe an den Türen vorbei. Keine Nummern, keine Namensschilder.
Ich klopfe. Keine Antwort. Vorsichtig ziehe ich eine der Türen.auf. Daher also! Die Tür ist dick gepolstert mit Leder und verbirgt eine zweite Tür.; i Dann bin ich drinnen. Ein mächtiger Schreibtisch‘ Dahinter ein un- scheinbarer Mann, dessen Gesicht ich vergessen werde, so bald sich die Tür wieder hinter mir geschlossen haben wird. Er ist nicht jung; nicht alt. Alle Gestapoleute scheinen zwischen dreißig und vierzig zu sein.
Ich habe Angst. Wenn ich nur erst wüßte, was es ist. Es braucht nichts zu sein. Wenn aber dieser Mann doch etwas über mich weiß? Der Aus- druck seines Gesichts verrät mir nichts. Hinter ihm ist eine Tür, weiß- lackiert. Vielleicht komme ich nicht wieder hinaus. Vielleicht geht es durch diese Tür tiefer hinein in das Gestapoquartier?
Das Blut rinselt durch die Adern, Angst! Der unscheinbare Mann wirft
einen Blick auf die Vorladung und greift zu einer Akte. Die Beine werden schwerer. Der Mann schweigt immer noch. Ich sitze ihm gegenüber. Ob ich will oder nicht— ich nehme Dinge wahr, die in diesem Augenblick ganz unwesentlich sind. Die großen Scheiben der Fenster sind blankgeputzt, keine Gardinen. Das Haus auf der anderen Seite ist nur noch eine Fassade. Die Akte, die der Mann liest, ist ziemlich umfangreich.
196
Che
sinc übe
sche
Sie
Mie
Läc übe


