Ist sein Benehmen heute anders als sonst? Hat er vielleicht———!? Feiner Nelkenduft strömt aus meiner Aktenmappe. Unruhig ziehe ich sie
näher zu mir heran. Im. Radio ist Marschmusik wie am Morgen. Der Hauptwachtmeister
trommelt mit den Fingern den Takt. Der Mann in Zivil zündet sich eine
Zigarette an und steht auf.„Ich gehe jetzt hinüber zur Werkhalle, mal sehen,
was es dort Neues gibt.” Seine wässrigen Augen gehen über mich hinweg.
„Immer dasselbe hier! Kein Betrieb. Da war es doch noch anders in Polen .” “ Die Tür der Schreibstube fällt ins Schloß. Die Bretter des Baracken- ganges hallen unter den Stiefeln, die schon die Wälder Polens bei Treib- jagden auf Menschen durchpflügt haben.=
‚In der Schreibstube liegt Mittagsstille. Nur leises Klirren der Eßbestecke hinter der Wand; sechzig Gefangene löffeln ihre Suppe. Da— das Radio setzt wieder ein. Einen Augenblick lang hat es geschwiegen. Wieder trommeln die Finger des Hauptwachtmeisters den Takt. Er und der andere
“Grüne sitzen mit lang vor.sich hingestreckten Beinen da.- Die Aügen starren.ins Leere.. Was geht hinter jenen ausdruckslosen Gesichtern vor? Woran denken sie? Oder denken sie überhaupt nicht?
Die Werkpfeife ertönt. Der Grüne mit einem Stern steht auf. Er reckt sich.„Ich gehe hinüber zu den Deutschen,‘ meldet er. Die deutschen Strafgefangenen haben Tagschicht. Er greift zum Koppel, das auf der Pritsche liegt. Während er es sich umschnallt, sieht er mit stumpfem Blick vor sich hin. So war es gestern, so ist es heute, und so wird es morgen sein.
an damals—— an 1936— an die Schreibstube einer Kaserne. Aus einem Lautsprecher in der Ecke dringt Marschmusik. Einige Soldaten sitzen auf einer Holzbank herum. Am Schreibtisch sitzt der wachhabende Unter- offizier.
„Sie wünschen?‘
„Ich möchte meinen Bruder besuchen.“
„Erst eintragen ins Wachtbuch."
Name, Ort und Stunde.:
Ein Soldat steht auf. Er reckt sich.„Ich gehe jetzt hinüber zu den Rekruten."
„Nehmen Sie die Dame mit,“ ‚sagt der Unteroffizier, ohne vom Wach- buch aufzusehen.
Ich sehe meinen Bruder wieder, zum erstenmal in Uniform. Schräg über dem Herzen ist auf dem grünen Tuch der Reichsadler genäht. In den Klauen der Kreis, darin das Hakenkreuz. Mein Bruder deckt die Hand dar- über.„Ein ganzes Jahr!‘ sagt er.
Nach einem Jahr steht er in der Schreibstube. Ich will ihn abholen. Soldaten sitzen auf einer Holzbank herum. Am Schreibtisch beugt sich der Unteroffizier über die Entlassungspapiere meines Bruders.
194
Vielleicht starre ich genau so leblos wie die beiden Grünen. Ich denke
dem Holzj
W es-To Er m der F der F dunk! hund, zum€
. Er ze
in die merkt
Barac
De fließt
- zur G
„A weser
13%


